ICH HABE ANGST!


Da hält Greta Thunberg eine Rede vor den EU-Verantwortlichen. Anschließend machen sich schwachsinnige Typen darüber lustig. Da haben wir endlich einen halbwegs akzeptablen Weg gefunden, die zu uns zugewanderten Flüchtlinge zu versorgen. Ein Land, das nicht arm ist, hat mit einer einmaligen Geste der ganzen Welt gezeigt, wie man im Sinne der Nächstenliebe auch mal etwas abgeben kann. Und dann macht ein Herr Seehofer wieder ein Gesetz, das mich erschreckt. Der ängstliche Bürger soll Befriedigung erfahren, wenn die kriminellen Ausländer abgeschoben werden. Und wer zeigt mit dem Finger auf die Betrüger in Anzug und Krawatte? Aber schlimmer noch, auch diejenigen, bei denen man keinen triftigen Grund für ihre Flucht verwaltungstechnisch ermitteln konnte, werden demnächst auch vor der gewaltsamen Verfrachtung in Gefängnisse gebracht. In welcher Zeit leben wir denn? Geht es uns gut oder so schlecht, dass ich Fremde um jeden Preis abweisen muss? Dass ich lernen muss, die Menschen aus einer anderen Kultur abzulehnen. Dass ich endlich die These von der drohenden Islamisierung Europas akzeptieren soll?

Aus welchen Gründen auch immer, die Handlungen und Meinungen einiger Politiker sind mir einfach verdächtig. Kann man da mit ruhigem Gewissen zusehen?

Mein Herz wird erst dann wieder zufrieden schlagen, wenn diese unchristlichen Zeitgenossen nicht mehr das Sagen haben. Wenn eine Stimmung des Friedens und der Brüderlichkeit meinen Alltag wieder bereichert, nicht Hass und Fremdenfeindlichkeit. Ich liebe alle Menschen, auch diejenigen, die mir gelegentlich in Lederhosen über den Weg laufen. Sollen die alten Herren doch endlich in den Ruhestand gehen und nicht anhaltend die Jugend verunsichern. Die wird noch Probleme genug haben, wenn man nach der verfehlten Klimapolitik die Schuldigen bennen wird. Jenseits von Hass und Gier gibt es eine schönere Welt als unser Medienalltag gegenwärtig abbildet, in dem der Konsum als Religion vorherrschend ist.

Es sind die Konservativen, die den Brexit wollen!

Und diese alten Betonköpfe mit ihrer Ideologie des Verweigerns fortschrittlicher Veränderungen haben schon genug Schaden angerichtet. Überall sitzen die an den Hebeln der Macht. Und auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise haben diese kleinbürgerlichen Egoisten, diese Mitläufer und Wegbereiter des Wiedererstarkens des sog. Völkischen Bewusstseins, ihre menschenverachtende Fratze erschreckend deutlich gezeigt. Wir dürfen ihnen nicht auf den Leim gehen. Denn sie kommen unter dem Mantel des seriösen Bürgers daher und wollen nichts anderes als den Wählern ihre sog. Politische Vernunft verkaufen. Es ist dringend geboten, sie daran zu hindern, alle achtzig Jahre wiederkehrend ihre unheilvolle Weltanschauung zu reaktivieren. Als Kriegskind kann ich mich noch gut an das Elend erinnern, das sie hinterlassen hatten. Mit verkapselten Tuberkuloseherden in der Lunge weiß ich jetzt als alter Mann, dass man das Erwachen dieses Ungeistes unbedingt verhindern muss. Seid bitte alltäglich wachsam und zeigt euren Protest!

Ich habe Angst vor Rassismus und Nationalismus. Mit jedem falschen Versprechen zur Sicherheit und Ordnung verlieren wir demokratische Freiheiten. Ich habe Angst vor der schleichenden Verrohung staatlicher Gewalt. Und ich habe Angst vor der totalen Überwachung in einem inhumanen, repressiven Polizeistaat.

berndg42; 17. April 2019

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Konformität


was erwartet man
von mir?
soll ich geduldig
die aggressive
werbung
des konsumsystems
ertragen
die gier
der banker
ignorieren?

soll ich mich dem
politischen mainstream
oder soll ich
mich der überzeugung
der neonazis
anschließen?

oder soll ich
der kirche
meine unterwerfung
kundtun
und schweigen?
oder soll ich
den sog. nachrichten
oder soll ich
infantil
den aussagen
der macher
glauben?

alles eine frage
der unterwürfigen
haltung
die ich bitteschön
doch im
namen des friedens
und der demokratischen
freiheiten
zeigen sollte

alles nur eine
frage der bildung
oder eine frage
der gewohnheiten?

dass ich nicht
aufmümpfig
meinen frust
oute
alles nur eine frage der
angepassten
aktivitäten
im alltag mit
der gemeinschaft?

oder genügt es ihr
und alllen
bürgern
dass ich
steuern zahle?

genügt mein
jasagen?

genügt es mich zu
verstecken
in der anonymität?
mich fern zu halten
von fanatischen personen
die ein öffentliches amt
haben und beharrlich
strengere gesetze
schmieden ?

von ihren vasallen
die mich vielleicht
ständig überwachen?
die keinem widerspruch
zuhören und
gleich draufschlagen?
mich die macht
eines kranken
rechtsstaates
spüren lassen?

dem ich immer
noch vertraue
dem ich mich unterwerfe
in vielen fragen zustimme
und den ich gelegentlich
wähle
und den ich bejahe
an meiner seite weiß
den ich nicht verachte
aber manche seiner gesellen
die auf den falschen wegen sind

wer gibt mir den
schutz
vor den lügnern?
wer bewahrt mich
vor willkür und hass?
wer garantiert mir
toleranz
und zuversicht
und weist mir den
weg in eine
sichere zukunft?
wer hat eigentlich
noch positive
visionen?

berndg42; 5 April 2019

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texte verstehen


es sind
eigentlich
ja wirklich
eigentlich
nur wörter

sie zu lesen
ist nicht unser
problem
aber sie zu
verstehen
dagegen sehr

und es sind auch
nicht worte
für den gehobenen
verstand
nur einfache
reihungen
von buchstaben
also symbole
der bleibenden
äußerung

man nennt es
kommunikation
wenn man seriös
darüber berichtet

doch das wollen
wir nicht wissen
wir fügen also
die laute
aneinander
und es entsteht
vermeintlich
wirklichkeit

eigentlich
sollten wir dasselbe
meinen
doch es stellt sich
heraus
dass wir sehr
unterschiedliche
bilder im kopf
entwickeln

dennoch verbindet
uns ein lächeln
und dann geschieht
etwas
unverhersehbares
der blick sagt
mehr als worte
na eigentlich
wörter

warum brauchen wir
dann schrift?
manchmal ist es
besser
wörter zu sprechen
ihnen eine unverbindliche
bedeutung zu geben
und dabei etwas
anderes meinen

der rechtsgelehrte
besteht darauf
seinen text zu verstehen
auch wenn er den
nur selbst verantwortet
und wir haben
die folgen zu tragen
ob wir es so gewollt
haben oder nicht

so ist unser soziales
system
dem wir uns blind
anvertrauen

wenn es alle so machen
sind wir als einzelne
vielleicht nicht zu
entdecken
bleiben unberührt
von ängsten

das hilft uns
besser zu träumen
als andere

berndg42; i. April 2019

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Ebbe langt’s!


So fluchen die Hessen. Und so möchte ich auch meinen Unmut kundtun.
Da gibt es Mitbewohner, die meinen, das Land ihres Wirkens gehört ihnen allein auf diesem Planeten. Haben die noch nie was von Globalisierung gehört? Wie kann man denn armen Brüdern und Schwestern, die in einer miesen Region geboren wurden, das Recht absprechen, sich auf einem anderen Platz auf dem Globus ihr Auskommen zu suchen? Ist das menschlich? Oder ist das unmenschlich? Die Antwort möge sich jeder selbst geben. Und hoffentlich wird er nie selbst in diese Notlage geraten.

Und wenn die eigene Meinung so ist, dass diese zugewanderte Menschen abgelehnt werden, dann geht das darauf hinaus, dass der Zeitpunkt des großen Verteilungskampfes gekommen ist. Und wer hat so lange gezögert, bis diese Situation ernst wurde? Haben nicht wir in Europa kräftig dafür gesorgt, dass den Armen in Afrika nichts anderes bleibt, als auszuwandern? Sind wir schuldig oder nicht?

Der einfältige Bürger im Wohlstand wird sich diese Frage sicherlich nicht stellen. Aber was hält er denn eigentlich von der christlichen Botschaft, wenn er sonntäglich die Kirche besucht? Ist er denn wirklich so dumm, so unwissend unschuldig oder stellt er sich nur so? Hier ist ihm anscheinend die Täuschung wichtiger als die Anerkennung der Realität! Und das machen viele heute mit einem scheinbar ruhigen Gewissen.

Nein, sie haben Angst. Schlicht Angst vor Veränderungen. Diese Haltung nennt man konservativ. Und waren es nicht überwiegend die Konservativen mit ihrer Zielsetzung, zuerst für sich selbst zu sorgen, die die Politik über lange Jahre bestimmten? Und sind es nicht die Konservativen, die den Brexit befürworten? Und ist deren Absicht zur Trennung vom Kontinent redlich? Oder will da nicht eine kleine Klicke noch mehr Banker in die Londoner City einbringen, um den Geldfluss der Welt zu kontrollieren? Dabei natürlich scheinbar legal abzocken? Denn Rohstoffe und eine Landwirtschaft, die Überfluss erzeugt, haben die Engländer doch nicht. Das Empire ist ihnen verloren gegangen. Was bleibt denen denn anders übrig, als nach Quellen des Geldes zu suchen? Und das Volk? FJS hatte mal gesagt, dass die Stimme des Volkes die eines Rindvieches ist. Punkt! Das ist die schlichte Wahrheit, wenn es um Existenz oder Geldgier geht.

Ebbe langt‘s mir täglich, wenn ich die verlogenen Absichtserklärungen in den Medien höre. Von Menschenrechten und Befestigung der äußeren Grenzen. Widersprüche in stündlicher Wiederholung werden einfach nicht wahrer in meinem Kopf. Bin ich blöd oder die da draußen? Wer sind die, dass sie mir mit ihrer Macht der medialen Präsens ständig auf die Nerven gehen dürfen? „Danke, dass Sie dabei sind!“ Woher weiß denn der Moderator, dass ich vor der Glotze sitze? Woher kennt der mich denn, dass er mich so persönlich ansprechen darf? Ich kenne ihn eigentlich nicht. Ich sehe nur seine frontalen Gesichtszüge und die Stimme, die ich wiedererkennen würde. Mehr nicht! Zum Donnerwetter, wer sind all diese Figuren, die mir was erzählen wollen? Warum tun die das? Bestimmt nicht, um mir etwas Gutes zu tun. Oder irre ich mich?

Diese professionellen Quatscher werden vergleichsweise hoch bezahlt. Aber ist deren Aktivität es wirklich wert? Geben sie den Zuhörern, der Allgemeinheit, die ja anonym bleibt, wirklich einen Mehrwert zurück, wie es so schön von den BWLs formuliert wird? Oder füllen die nur Programmlücken und sorgen für den immensen Verbrauch elektrischer Energie?

Die Welt spielt auf großer Bühne verrückt. Ist das noch auszuhalten? Mich wundert es nicht, wenn jetzt in der Ukraine ein Schauspieler die Massen begeistert. Er will Verantwortung übernehmen. Das ist sicherlich OK, weil die bisherigen Typen ja eben auch nichts anderes als Schauspiel geliefert haben. Scheinwirklichkeiten verkaufen und dafür die Kleinen Leute bezahlen lassen, das ist das Geschäft, das von den meisten Zeitgenossen ohne Entrüstung geduldet wird. Aber auf die Sozialisten schimpfen. Am besten im Chor und immer lautstark. Nur nicht die Nachteile des hemmungslosen Kapitalismus‘ erwähnen. Alle Jahrzehnte den Crash ertragen. Mit dem Verlust allen Vermögens wieder von vorn beginnen. So könne sich nur Kreaturen mit unreifem Verstand verhalten. Diese bieten keine Garantie für das Überleben unserer Spezies. Aber die Dummen folgen ihnen, leider.
berndg42; 1. April 2019

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vom glück des seins


Ja, sieh‘ es so
ja siehe es so
wie ich ich es sehe
wie ich es
sehne

und wenn du
still denkst
wenn du atmest
wenn du lauscht
die augen schließt
und dennoch
fühlst
wie alles ist

dann lebe
dann liebe
dann sehe
dann weine
dann singe
und schaue
ohne tränen
in den himmel

ins licht der welt
ins licht
des morgens
das licht des
abends

höre die
stimmen
der nacht
der frühen vögel
und er wellen
lausche dem
wind im spiel
mit dem sand

beuge dich
dem sturm
aus dunklen wolken
der kraft der natur
vereine dich
mit ihren wundern
und bejahe dein sein

berndg42, im März 2019

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nachsinnen


eine weltliche
welt
unter den türmen
der hoffnung

ohne liebe
sich
in den tälern
des alltags
verlieren

ohne die macht
des vergebens
den schlaf
des gerechten
suchen

tage
der verlorenen zeit
nächte
der leeren träume

die hölle des seins
in verschollener zeit
vor den blinden
augen
die rechnung
des todes

die grauen gedanken
aller zweifel
sammeln
um sie allein
im überfluss mit euch
zu teilen

wer sieht dich
wer sieht mich
wer nimmt
deine hand?

ich gehe
meinen weg
schaue nicht
nach vorn
nicht zurück

gehe bis die zeit
zerbricht
und dann suche ich
dennoch
den blick zu dir

nachzuholen
den rausch des
lebens
noch einmal
spüren

vielleicht
vergebens

berndg42; im März 2019

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Denken


ist mein Leben

ja wenn ich
ja wenn ich denke
dann bin ich
bei dir
aber nicht
nahe genug

und so sehen wir
einander vorbei
sehen uns nicht
wirklich
weil ich
ja doch
jenseits
von dir bin

nur die stille
des augenblicks
ist alles
was mir die
welt bedeutet

ist sie ja
was ich dir
eigentlich
sagen will
aber du hörst
nur die stimmen
der gegenwart
des chaos‘ und
der verwirrung

lärm
den ich nicht mag
die leisen töne
des jenseitigen
aber sind die
meinen

sie allein sind die
wahrheit
über den wolken
sie allein
sprechen zu mir
sind mir vertraut
und ich liebe die weite
des universums

mit ihr entsteht
die versuchung
der deutung
des suchens
nach dem sinn

aber das ist
verlorene mühe
nur die liebe
ist das band
zur wirklichkeit
denn nach dem tod
folgt das vergessen

also versuche
mit wachen sinnen
die zeit
zu bewahren
die liebe zum nächsten
allein wird dir
den weg zur erlösung
weisen

berndg42; im März 2019

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