Die 20%-Volkspartei


Wie sagte Gabriel: „ Die denken anders, die sind anders. Man kann sie nicht verstehen.“

Und ja, man mag es kaum glauben, denn eine Mehrheit in der Gesellschaft soll ihr schon über Jahre vertrauen. Sie nennen sich Volkspartei. Rechnen wir mal:

Wenn man von 60 Mio Wahlberechtigten ausgeht, so ermittelt man ein wahres Ergebnis:

30% von 60% = 18%. Großzügig haben also etwa 20% ihre Stimme der konservativen Partei gegeben. Eine Website:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article168983338/Das-ehrliche-Wahlergebnis-der-Bundestagswahl.html

ermittelt 24,9 % für die Unionsparteien.

Das heißt also, dass jeder vierte wahlberechtigte Bundesbürger dieser Partei sein Vertrauen gibt. 75% stimmen der Politik nicht zu. Dann von einer Mehrheit im Sinne einer Volkspartei zu reden, ist doch fragwürdig!

Es ist diese Gruppe der Gesellschaft, die es immer wieder geschafft hat, ihre Interessen durchzusetzen. Und was sind die? Zunächst wohl ganz bestimmt die Sicherung ihres Lebensstandards. Eine Oberschicht derer und ihre führenden Vertreter zählen sich zu den wohlhabenden Bürgern, die für sich geltend machen, ganz besonders verantwortungsvoll und tüchtig zu sein. Na ja, es sind viele darunter, die im Staatswesen, in der höheren Beamtenlaufbahn, ihren Unterhalt beziehen. Also von den Steuerzahlern. Nun möchte ich ganz bestimmt nicht die Beamten kritisieren, denn die Mehrzahl derer hat nur eine marginale „Besoldung“. Und obendrein werden ihre Pensionen grundsätzlich versteuert. Es gibt heute kaum noch einen verständlichen Grund, sich als Staatsdiener zu verpflichten. Es sei denn, dass man sich auf die Gewähr einer soliden Alterssicherung verlassen will oder eine ethische Motivation hat. Erstere setzt aber auch voraus, dass die Verhältnisse stabil bleiben und dass die anderen Interessengruppen nicht an der Pension knabbern. Wer weiß? Es gibt immer wieder Zeitgenossen, die die Beamtengehälter weiter kürzen wollen. Zum Glück wagt das keine Partei, denn sie fürchten den Verlust von Wählerstimmen.

Berechtigung?
Gewiss haben Unionspolitiker auch ihre Verdienste in der Entwicklung unseres Landes. Und gewiss sind einige in ihrem Bestreben für einen nachhaltigen gesellschaftlichen Fortschritt glaubwürdig. Nicht alle denken nur an sich, aber doch ein erkennbarer großer Anteil der im Parlament zu beobachtenden Personen. Es geht ihnen stets um die Vorteile ihrer Gruppe, erst danach um die Mitläufer, die nicht so gut betucht sind. „Geht es der Wirtschaft gut, fallen auch einige Brotkrumen für die breite Masse der unteren Schichten ab“. Das ist ihr Wahlspruch, von dem sie überzeugt sind.

Im Erkennungszeichen mit den drei Buchstaben haben sie ein C für christlich. Man prüfe, wie sich die Mehrheit der Konservativen im Land und in Europa während der akuten Flüchtlingszuwanderung verhalten haben. Fremdenhass und Abwehr heute noch. Keine christliche Nächstenliebe erkennbar. Sie lassen es unwidersprochen zu und fördern mit ihrer Politik geradezu diesen Zustand, dass das Mittelmeer zu einem Totenmeer wird. Sie verabreden, dass die Bedürftigen in von uns weit gelegenen Lagern elend gehortet werden. Dort, wo sie uns nicht berühren. Ja, sie planen sogar eingezäunte Aufnahmestätten, um die Zuwanderer auf Herz und Nieren zu prüfen. Die sollen überwacht werden. Ich möchte nicht daran denken, dass es so etwas schon mal vor vielen Jahren bei uns gab. Man nannte sie natürlich nach dem Ende des Regimes deutlicher beim Namen. Was soll dann dieser Anspruch mit dem C im Emblem?

Und heute wollen sie eine Koalition mit den sich modern profilierenden Genossen eingehen, die zumindest sozialer denken. Natürlich abweichend von dem oben genannten Wahlspruch, der diesen Partnern nicht zu eigen ist. Und nach aller Erfahrung sagen sie ja zu butterweichen Formulierungen im Vertrag. Doch wir haben ja erlebt, wie die Konservativen es mit dieser Vertragstreue halten. Ja sagen und nichts tun und nichts davon sichtbar beschließen. Diese Methode ist äußerst wirkungsvoll, wenn man die eingelullten Wähler mitziehen will. Nach außen tolle Ergebnisse in der Bilanz, aber tatsächlich nur wieder die eigenen Interessen durchgesetzt. Der Koalitionspartner sollte sich nicht noch einmal täuschen lassen. Falls es dennoch zum Bündnis kommen sollte, gibt es wenigsten einen Trost:

Die junge Generation kann sich mindestens vier Jahre lang unbeachtet der lethargischen Politik um die eigene Karriere kümmern.

Immerhin vielleicht ein Vorteil, aber nur dann, wenn die Wachsamkeit nicht vernachlässigt wird. Denn dann laufen wir alle gegen die Wand, wenn die notwendigen Modernisierung der Gesellschaft wieder verschlafen wird.

Gute Nacht Deutschland…

berndg42; 15. januar 2018

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Im Jahre Europas


Wer schützt uns vor den spießigen Fingerhaklern und ihrer Verkapselungsmentalität? Vor ihren magyarischen Verbündeten? Den radikalen Verweigerern der Menschenrechte? Den egomanischen Despoten? Den Geschäftsführern der Mafia? Den leichtsinnigen Spekulanten, die sich langweilen? Den rücksichtslosen Bankern? Den reichen Erben, die die Politik allein für ihr gesichertes Auskommen benutzen? Den Mitläufern einer falschen Ideologie? Den Irrgläubigen, die aus der Vergangenheit gekommen sind? Den Wegwerfern, die den Müll verklappen? Den Verweigerern der Energiewende? Den Gegnern der Gleichberechtigung? Den Scharfmachern in den mächtigen Militärs der Erde? Den heimlichen Lauschern? Den falschen Propheten? Den rücksichtslosen Linksfahrern? Den professionellen Geldeintreibern? Den Verantwortlichen für Hunger und Klimawandel? Den dummen Laboranten, die tödliche Viren entwickeln? Den Giftmischern, die die Natur zerstören? Den Marktbeherrschern, die unseren Alltag bestimmen? Den unfähigen Politikern, die ständig unwirksame Gesetze beschließen? Den Regulierern, die unser Geld entwerten, aber selbst nicht davon betroffen sind? Den Dilettanten in den Operationssälen der Kliniken? Den weißen Göttern, die uns aus ökonomischen Gründen nicht würdig sterben lassen? Den Betrügern, die schnelle Abhilfe versprechen? Den aufdringlichen Lügnern in der Werbung? Den Dauerschwätzern im TV? Den hochbezahlten Programmdirektoren, die mit unserem Entgelt nur Schrottfilme machen lassen und ihren Sympies, die langweilige Quizsendungen als gut gemeinte Fernsehunterhaltung zusammenbasteln? Den Verantwortlichen, die die Bildung unserer Kinder vernachlässigen? Den Machern in Ländern und Gemeinden, die uns kaum noch freie Wege zwischen den Schlaglöchern auf unseren Straßen finden lassen? Die uns keine Sicherheit über und unter den Brücken gewähren, aber ständig über die Gefahren reden, die angeblich von Flüchtlingen ausgehen? Vor Brandstiftern in der öffentlichen Diskussion, die Schwerpunkte setzen und Fakenews verbreiten, die eigentlich keine Bedeutung für den Einzelnen haben, aber umso mehr für ihre Interessengruppen? Vor dem Spott und der Schmach, an der Tafel sein Mittagessen zu holen? Vor den gierigen Vermietern, die ohnehin schon genug Vermögen angehäuft haben? Vor den unehrlichen Handwerkern, die den privaten Bauherren im Stich lassen? Vor dem Amt, das den Arbeitslosen bis aufs Hemd auszieht, bevor er ein Almosen erhält? Und selbstverständlich auch vor dem Bettler, der das Geld für seinen Daimler ergaunert, den er ums Eck geparkt hat?

Man könnte viele Seiten lang schreiben…

Stephen Hawking warnte schon mehrfach davor, dass nicht Bomben, Roboter oder Katastrophen die Menschheit bedrohen, sondern unsere Aggression. Deswegen hat er einen Wunsch: „Die menschliche Eigenschaft, die ich am liebsten verstärken würde, ist die Empathie. Sie vereint uns in einem friedlichen, liebenden Zustand.“

Und ich möchte ergänzen, dass uns nur die praktizierte Nächstenliebe auf einen besseren Weg bringen kann. Wir sollten gleich heute damit beginnen uns nachhaltig darin zu üben und jeden Augenblick zuerst an den Mitmenschen zu denken, an den Bruder und die Schwester, die mich vielleicht bereits mehr lieben als ich es bisher versuchte.

Hebe den Blick und schau‘ dein Gegenüber offen an. Wir sollten wieder Freude empfinden, wenn wir die Vielfalt unseres Abbildes wahrnehmen. Wir sollten ein Schwarmgefühl entwickeln. Denn diese Welt ist für uns alle da und nicht der okkupierte Spielplatz für wenige Individualisten. Jeder hat ein Recht auf eine Existenz, die uns miteinander glücklich macht. Krieg und Egoismen sollten unsere Abneigung erfahren. Eine mentale Anpassung an das gemeinsame Ziel sollte unsere Zukunft bestimmen. Dazu gehört auch, dass wir uns frühzeitig nach anderen Lebensräumen umsehen, wie es Stephen Hawking vorschlägt. Die Erde wird in einigen tausend Jahren unbewohnbar sein. Über die Verbreitung in nahen Räumen der Galaxie könnte unsere Spezies überleben. Das gelingt aber nur dann, wenn wir bis dahin eine Form des Zusammenlebens gefunden haben, die unsere Aggressionen minimiert. Ansonsten würde sich herausstellen, dass die Menschen eine Fehlentwicklung waren. Die Natur kennt keine Trauer über unseren Untergang. Die Evolution aller Lebewesen findet vermutlich einen Ausweg, der uns heute noch nicht bekannt ist.

Wie man es macht, dass wir gemeinsam dieses Ziel erreichen, sollte uns beschäftigen. Ich denke über Regeln und praktische Vorschläge für eine Bewegung nach. Und natürlich weiß ich, dass eine neue Verhaltensweise im Alltag schwer sein kann, eine Überzeugung des Mitmenschen sich nicht so leicht einstellen wird. Wir sind alle geprägt, ein Abweichen von den Normen ist nicht einfach und könnte manchmal auf Unverständnis treffen. Im Zweifel aber verzeiht ein Lächeln alle falschen Deutungen. Also dann….

berndg42; 11. Januar 2018

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Unerträglich!


Die CSU – es fällt mir schwer in der Abkürzung das C zu schreiben! – argumentiert, dass Deutschland eine bürgerliche Mehrheit hat. Was verstehen diese Genossen unter bürgerlich? Was meinen die wirklich?

Meinen sie vielleicht, dass die Mehrheit die Ablehnung von Fremden als etwas Notwendiges empfindet? Meinen sie vielleicht, dass man unbedingt eine Leitkultur braucht, um sich von geflüchteten Zuwanderern abzugrenzen? Meinen sie vielleicht, dass wir uns hüten sollten, diese „Wirtschaftsflüchtlinge“ von unserem Brot essen zu lassen? Meinen sie vielleicht, dass die Zugewanderten uns die prekär bezahlten Arbeitsstellen wegnehmen? Meinen sie vielleicht, dass wir unter den Messern der patriarchalisch eingestellten Männer keine Chance mehr haben werden unsere Frauen vor ihnen zu schützen? Meinen sie vielleicht, das diese Minderheit von weniger als 0,5% der Bevölkerung eine Islamisierung durchsetzen könnte? Und meinen sie vielleicht, dass sie allein die Garanten sind, die uns vor einem ungewissen Schicksal bewahren könnten, eines Tages mit der Sharia in Konflikt zu kommen? Meinen sie vielleicht, dass man auf der Welle der nationalen Besinnung und des Stolzes auf das Erreichte erfolgreich mit dieser populistischen Volksverängstigung Wahlstimmen zugewinnen kann? Meinen sie vielleicht, dass die Menschen, die oft ein schweres Schicksal haben, nicht von unserem teuer verdienten Geld leben sollen?

Man nennt so eine Haltung Egoismus! Manche sprechen auch von Geiz. Und diejenigen, die diese Überzeugungen vertreten, sind nicht die Ärmsten im Land!

Was treibt eigentlich diese Genossen an? Diese sich als Ureinwohner des Voralpenlandes verstehende Gemeinschaft einer begrenzten Weltsicht, die schon an der Donau die Grenze zu Nachbarn definiert, die man nicht im Land haben möchte. Und mit denen man schon immer gewisse Streitigkeiten hatte, z.B. diese verdächtigen Franken. Wer nicht die Mentalität der Bajuwaren auf dem Land hat, gehört nicht in dieses Region der Republik! So ist das Selbstverständnis zu verstehen, das diese Genossen gern verbreiten. Und deshalb würden sie auch keine Stimmenmehrheit in der Republik erfahren, wenn sie sich über das ganze Deutschland anbieten würden. Ihr Anteil an Zustimmung wäre im Vergleich zu anderen politischen Parteien marginal.

Es gibt viele gute deutsche Mitbürger, die nicht für sich in Anspruch nehmen, die Vernunft erfunden zu haben. Die nicht ihren Untertanen vorschreiben, wie ihre Zukunft hinter befestigten Grenzen sein soll. Die sich nicht auf das Christliche in ihrem Handeln berufen, aber doch viel menschenfreundlicher sind. Die nicht meinen, ihr Bundesland sei der Nabel der Welt!

Ohne die großen Unternehmen einer Schlüsselindustrie wäre Bayern vielleicht auf die Zuzahlung der anderen Fünfzehn angewiesen. Könnten diese überheblichen Vordenker nicht mit dicker Brust verkünden, dass es ihrem Wirken zu verdanken ist, zu den reicheren Geberländern zu gehören. Ihre Wahlstimmen erhalten sie von der Landbevölkerung. In den Großstädten leben bayrische Mitbürger, die anders denken. Die in engen Horizonten agierenden politischen Hinterwäldner mögen ja im eigenen Regierungsbereich anerkannte Vertreter einer von ihnen überzeugten Mehrheit sein, was man tolerieren kann, wenn sich ihre Anhänger unter ihnen wohlfühlen. Sie sind aber keineswegs ein Vorbild für die ganze Republik. Und deshalb schon sollten wir stets kritisch ihr Handeln prüfen und uns von ihnen nicht um jeden Preis diktieren lassen, wie wir zu denken haben. Deutschland ist größer als das Bundesland Bayern! Das sollte uns bewusst sein, wenn wir eine Regierung in Berlin bilden wollen. Und sie können ja ihre Ansichten ständig wiederholen, die Mehrheit der Bundesbürger aber ist weit außerhalb von Bayern. Und das sollte auch so bleiben!

Ich kann mit Menschen dieser Weltanschauung nicht zusammen leben. Sie passen nicht in eine weltoffene, moderne Gesellschaft. Und ich werde ihnen aus dem Weg gehen, soweit mir das möglich sein wird. Das sagt euch ein innerdeutscher Immigrant in Hessen.

berndg42; 5. Januar 2018

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Angriff auf die Beamtenpensionen


Vorweg: „Eigentlich reicht es mir!“

Ich bin 76 Jahre alt und war lange genug im Staatsdienst. Nicht zuletzt macht heute das Unternehmen, das noch am Ende meiner Dienstzeit privatisiert wurde, allein durch meine erbrachten Leistungen einen Gewinn von mehr als 300 Mio EUR im Jahr. Ich erhalte eine Pension in der Höhe von 71,5% meiner letzten Besoldung. Damit komme ich natürlich im Alter gut aus und bin deshalb zufrieden, weil ich diesen Anspruch in früheren Jahren teuer bezahlt hatte. Denn immer dann, wenn ich mit Studienkollegen ins Gespräch kam, bedauerten die damals meinen Schritt, als Ingenieur dem Staat zu dienen. Sie machten sich über das niedrige Entgelt lustig und hielten mich erkennbar für blöd und unfähig, ein anständiges Gehalt mit in die Familie zu bringen. Tatsächlich war es damals einfach einen gut bezahlten Posten in der Wirtschaft zu bekommen. Selbst im Ausland waren deutsche Ingenieure gefragt. Und tatsächlich leistete ich vor dem Einstieg in eine Laufbahn auch noch den Wehrdienst, sodass ich erst mit ca. 30 Jahren in die reguläre Arbeitswelt einstieg. Also hatte ich lange Zeit ein bescheidenes Einkommen. Später ging es dann mit der Regelbeförderung auch nicht besonders zügig, sodass ich erst nach fast vierzig Jahren Dienst ein Gehalt bekam, das eines Ingenieurs würdig war. Dennoch war ich nicht neidisch oder verbittert. Wenn ich aber jetzt das Geschrei um die zu hohen Pensionen höre, sträuben sich mir die Haare(Verband der jungen Unternehmer; Angriff auf die Beamtenpensionen Von Dorothea Siems | Veröffentlicht am 19.11.2017).

Der Verband ist sicherlich dem Namen nach mit jungen Leuten besetzt. Ältere Mitglieder müssten doch wissen, wie damals die Verhältnisse waren. Ich habe ja Verständnis für vergleichende Berechnungen, aber man sollte sich schon gründlicher informieren, bevor man den Mund weit öffnet. Und gerade die jungen Unternehmer sind doch diejenigen, die heute ganz gut ans Geld kommen. Gerade weil die Löhne so niedrig sind und weil sie durch die Geldpolitik ebenso an günstige Kredite kommen.

Andererseits sind es gerade die Wirtschaftsunternehmen, die besonders in der produzierenden Industrie nach Facharbeitern rufen und händeringend beteuern, dass sie keine finden. Diese Entwicklung war abzusehen. Die Politik der bürgerlichen Parteien hat sich viel zu lange nicht um die Bildungsarbeit im MINT-Bereich gekümmert. Sie tut es auch heute noch nicht und wie es scheint, legt man auf die technische und naturwissenschaftliche Ausbildung der jungen Leute nicht viel Wert. Und so in einem Hightech-Land erster Klasse, wie man immer wieder stolz verkündet!

Als Ingenieur hatte ich mich vor über elf Jahren für die ehrenamtliche Mitwirkung in Grundschulen beworben. Anfangs führte ich in Arbeitsgruppen die Schüler in die Welt moderner Technik und wir hatten sehr viel Spaß an Sachthemen, die nicht im Regelunterricht angelegt sind. Grundschüler sind noch ansprechbare kleine Forscher, die eine natürliche Neugier mitbringen und aufgeschlossen mitmachen. Ich habe immer nur Lob von den Schulen und Eltern gehört und Begeisterung bei den Kindern geweckt. Meine Zielsetzung war natürlich eine gewisse Kompensation des Mangels in der Bildung unserer Kinder zu erreichen. In Darmstadt und Umgebung bin ich in den Schulen bekannt und man möchte nicht daran denken, dass ich aus Altersgründen ausscheiden könnte. In über zehn Jahren haben wir fleißig das Elektroniklöten geübt, ein einfaches Kurzwellenradio(> 1000 Stck!) gebastelt und erfahren, dass der Mensch im Verhältnis zum ganz Kleinen und ganz Großen im Universum in der Mitte der Dimension steht. Die Kinder lernten Grundwissen zur Physik der Elektrizität und der Astrophysik. Sie wissen auch besser als mancher Politiker, was Radiowellen sind. Mein Verein, der sich bald in Darmstadt gründete, betreut aktuell sechs von achtzehn öffentlichen Grundschulen in gleicher Weise. Leider findet man nur schwerlich Rentner oder Pensionäre, die unseren Einsatz unterstützen wollen. Die meisten Mitbürger der älteren Generation buchen lieber eine Kreuzfahrt in die Karibik und bringen so das Geld in den Umlauf.

Und nun komme ich auf den Punkt:
Vielleicht kann man meinen Frust und meine Empörung verstehen, wenn ich die o.g. Forderung des Verbandes Junger Unternehmer kritisiere. Gerade für diese Gruppe der Gesellschaft habe ich die letzten Jahre viel getan, damit der Nachwuchs an Fachkräften nicht zum Desaster führt. Und das wollen die jetzt damit belohnen, dass man mir weniger Pension auszahlt? Ich kann den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft versichern, dass ich sofort meinen ehrenamtlichen Technikunterricht an Grundschulen einstellen werde, sobald hier eine Tür für diese Einsparungen an der falschen Stelle geöffnet wird.

Ich bin eigentlich sehr offen für die Diskussionen über Gerechtigkeit in der Gesellschaft, aber bestimmten Kräften, die immer wieder nach Argumenten suchen, die von der Öffentlichkeit erfahrungsgemäß nicht hinterfragt werden, weil sie populär sind, auch nur den kleinen Finger zu reichen, werde ich tunlichst vermeiden. Sollte man mir die Pension kürzen, werde ich auch alle meine sonstigen ehrenamtlichen Tätigkeiten sofort einstellen.

berndg42; am 3. Januar 2018

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lethargie


worte über wörter
schreien von
den wänden
bleiben ungehört
gelesen
der schleim der fakten
lähmt die freiheit
der gedanken

worte über wörter
stapeln sich
wie schmachgeburten
liegen nicht auf
weichen kissen
die warzen
des schreckens
umzäunen
die heuchelei
stillstand
ist der tod
des lebens

der blick
des fremden
dringt tief
ins fleisch
der mächtigen
trifft den ungeist
des systems
bringt die konstruktion
ins wanken
haltet die mauern
denn sie fallen
nicht ins feindesland

häuser
mit leeren fenstern
sinnbilder
des vergänglichen
blicken nach uns
in die zeit
mondstaub
wird die welt
bedecken

die kugel dreht sich
um sich selbst
auch ohne
nächstenliebe

berndg42; 2. Januar 2018

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nach silvester


montagswörter
zum träumen
ist mir nicht
sehe nach vorn
glaube weniger
als zuvor
und wie vergeht
eigentlich
dein tag?

am morgen
bin ich noch
zu schwach
am mittag verlässt
mich mein vertrauen
und am späten abend
sitze ich hier
und schreibe

weshalb?
doch höre ich
keine antwort
durch den nebel
des geschehens
und wann endlich kommt
die nacht
die mir den ganz
langen schlaf
bringt?

dann werde ich
wieder am dienstag
erwachen
und wieder
dienstagswörter
schreiben
für mich allein
und wer möchte
die schon
lesen?

und wieder vergeht
die zeit
die woche
der monat
das jahr
alles bleibt
beim alten
oder verändert sich
ohne wahrnehmung

die umgestaltung
ist nur eine täuschung
nicht ein fehler
der aufmerksamkeit
und schon gar nicht
eine anstrengung
des verstandes

die leute sprechen nach
was ihnen erzählt wird
sie fragen nicht nach
der wirklichkeit
ihrer gedanken
halten sich für unfähig
von sich aus
das glück zu gewinnen

sie brauchen immerzu
spaß und vergngügen
das heilt die wunden
des verstandes
der unbewusst begreift
wie er sich selbst
zerstört

und so
kann man nicht
zufrieden sein
soll man ja auch
nicht
denn dann wäre
das system gestört
das ja so
wunderbar für wenige
gut funktioniert
alle anderen
mögen sehen
wie sie
zurecht kommen

berndg42; 1. Januar 2018

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Gedanken am Ende des Jahres


ein neuer wortfaden
wozu?
aber ich möchte
doch schreiben
doch mitteilen
und so geht
alles seinen weg
meine finger tasten
die mitteilung
in worten
auf das bild
in ehrlichen gedanken

das bild vom tag
von den erlebnissen
vom himmel
dem licht
und der trauer
alles ist veränderlich
das ist das
leben
und so ist es

isso
ist das unwort
des jahres
ich sprach es
fast pausenlos
warum?

sind wir es müde
immer wieder
die vielen
rechtfertigungen
zu akzeptieren?

sind wir nicht
wirklich selbst?
können wir einen
gedanken nicht
unser eigen
nennen?

warum sind wir
auf die
zulieferung
unseres
weltbildes
angewiesen?

ich lebe
ich träume
und ich sehe
singe und
spreche
schreibe
und denke

ob ihr mir folgt
oder mich lesen wollt
stets bin ich
allein
lebe mich und dich
deshalb nicht einsam
und
so soll es bleiben

berndg42; 28. Dez. 2017

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