verklickt


die stelle verpasst
trauer mischt sich
vor dem laufenden
mit der hoffnung
des suchens
verspricht mir trost
meine lieblingsseite
von G(google)
versetzt mich
in alle welt
und klickst du mich
vielleicht wieder
sehe ich dir
ins verdeckte
solange ins
schweigende selbst
das du noch nicht
kennst
warte und ruhe
mit der zeit
ich kann das
ertragen

berndg42; im Dezember 2018

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verlustmomente


man sieht nicht
mit den augen

in mir sind
blinde spiegel

sie zeigen nur
die lust
des schweigens

doch was bleibt
sind gedanken

flüchtiger als
worte

berndg42; im Dezember 2018

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krisenstimmung


und natürlich
habe auch ich
angst vor der
zukunft

ist doch alles
ohne plan
auf dem run
zum abgrund

und natürlich
brauchen wir
visionen
eine neue ordnung

eine leitkultur
die liebe
zum nächsten
ein lebensziel

die gesellschaft
schwimmt
im ungewissen
ohne hoffnung

die gier
nach geld
beherrscht
die welt

gemeinsam
sind wir stark
nur gemeinsam
überleben wir

wo sind die
ehrlichen
demokraten
die neuen führer?

berndg42; im Dezember 2018

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Die gelbe Blume


Das Auto blieb in der Garage. Ich wollte in die Natur. Die Luft war mild im Monat Mai. Am Waldrand angekommen, setzte ich mich auf einen umgefallenen Baum und lauschte den Stimmen des Frühlings. Unvermittelt beklagte sich ein zartes Stimmchen: “ Siehst du nicht auf deine Füße? Du tust mir weh!“ Und tatsächlich hatte ich unachtsam auf eine unscheinbare gelbe Blume getreten. Ein Tropfen Milch sank langsam am Halm herab. Und noch während ich mich entschuldigte, wuchs die Planze ganz schnell heran. Bis zur Größe einer Sonnenblume.

„Komm mit mir“, lockte sie. Und in einer Sprache, die ich sofort verstand, erzählte sie mir von einem Wunderland. Flugs entführte sie mich dorthin. Nun standen wir vor einem unendlichen Meer von gelben Blüten. „Das sind die Seelen der Verstorbenen“, sprach meine neue Freundin zu mir.

Es waren auch einige darunter, die aus der Menge herausragten. Ich bemerkte, dass sie ihre Wurzeln verloren und sich in Honigbienen verwandelten. Die stiegen auf und tausende goldene Flügel glitzerten über den Wolken. Riesige Schwärme, die über blaue Wälder zum Horizont hin flogen. Ein grüner Mond wies ihnen den Weg. Und da war ein intensives Licht in der Ferne. Ein schmaler Streifen in Pink und Orange lockte sie an. „Das ist der Schein der Offenbarung“, verriet mir die Blume. „Und die am Himmel sind Botschafter der Nächstenliebe“, ergänzte sie. „Drei Tage brauchen sie bis zum Paradies, dann kehren sie zurück. Besuchen auserwählte Blüten, deren Verbliebene auf der Erde das Wahre und Schöne lieben. Und immer, wenn sie eine gute Nachricht bringen, wächst diese gelbe Blume ein Stückchen, bis sie selbst zur Biene wird. Aber viele müssen warten. Manche bis in alle Ewigkeit.“

Ein bekanntes Geräusch weckte mich aus meinem Traum. Auf der nahe gelegenen Straße fuhr ungeduldig hupend ein Auto vorüber. Schade, dachte ich, wieviel mehr hätte ich noch erfahren können. Ich bemerkte, dass der Löwenzahn vor mir wieder unbeschadet nach oben blickte. Der hohle Stengel hatte sich erholt. Mit Ehrfurcht zog ich vorsichtig meinen Fuß zurück. Von nun an ging ich behutsamer in die Welt und denke immer noch an die Botschaft der Bienen.

berndg42; im Dezember 2018

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Mein Albtraum


Vielleicht war es nur eine Magenverstimmung. Jedenfalls schlief ich schwer ein. Und dann quälte mich ein Traum:

War ich doch ganz unvermittelt in einem fernöstlichen Land. Die Leute zeigten sich freundlich, doch etwas störte sie. Lange brauchte ich, bis mir klar wurde, dass sie meine Gegenwart nicht wirklich ertragen konnten. Ein nach Kas und Bier stinkender Bayer mit einem zotteligen Rauschebart und in einer fremdartigen Lederhose. Solche ungewohnten Erscheinungen mögen sie dort nicht. Und ich war nicht überrascht, als ich hörte, dass man die Zuwanderer eigentlich der staatlichen Überwachung melden soll. Dann würden Soldaten kommen, die sich um die Entsorgung kümmerten. Was das war, blieb mir zum Glück erspart, denn ich beschloss schon bald rechtzeitig zu fliehen. Ich wurde zum Vertriebenen, zum Flüchtling. Es war also nicht meine neue Heimat, in der ich eigentlich Unterschlupf für ein bescheidenes Leben gesucht hatte. Ein Fremdkörper allenthalben, der sich zum Teufel scheren sollte. Und nun war ich auf der Flucht. Überall, wo ich mich sehen ließ, kamen mir die Menschen jetzt auch sehr fremd vor. Ich hatte gelernt, misstrauisch zu sein. Auf der Hut vor Feinden, die ich nun überall vermutete. Vielleicht sah man mir die Zweifel an der Menschheit an. Ich verlor jegliches Vertrauen und ich fragte mich, ob ich in dieser Verfassung im fernen Voralpenland wieder normal leben könnte. Also wurde ich zum Erdenbürger ohne Niederlassung. Jemand, der jetzt überall Ausländer war. Wo auf der Welt sollte ich hin?

Als ich nachsinnend am Strand eines großen Meeres saß, kam eine junge Frau mit verschleiertem Antlitz vorbei. Sie betrachtete mich wortlos und in ihren Augen erkannte ich ein freundliches Lächeln. Ich erwachte aus meiner Lethargie und meine Stimmung wurde sofort fröhlicher. War das die Antwort auf meine Fragen? Zielstrebig suchte ich den Zugang zur Stadt und buchte meinen Rückflug. Ich wusste jetzt, worauf es ankommt. Und wenn mir wieder jemand berichtete, dass er wegen der fremden Migranten große Angst empfindet, beruhigte ich ihn ebenfalls mit einem Lächeln. Allmählich fand ich mein Selbstvertrauen zurück. Und ich habe erfahren, wie gut es ist, fremden Menschen mit Toleranz und Vertrauen zu begegnen. Nur so wird man nicht selbst zum Feind im eigenen Land.

Entspannend war mein unruhiger Schlaf nicht, aber manchmal hilft ein Traum, den Alltag besser zu gestalten.

berndg42; im Dezember 2018

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Chopin


es plätschern
die töne
schwermutstropfen
aus seinen träumen

auf grünen zweigen
lebt die muse

dreimal schwillt
der reigen
auf und ab

die pianistin
schlägt die tasten
im lauf der finger
schwingen die gefühle

ich höre dich und dich
und dich… und dich
suche eure hände
wenn die klänge
zärtlich werden

hoffnung
lässt die zweifel
fliegen

in der einsamkeit
des schweigens
ruhen
unsere herzen

wir sollten sie
fröhlich jubelnd
schlagen lassen

berndg42; im Dezember 2018

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leicht verstimmt


der tanz
ums klavier
stört den pianisten
seine finger
formen messer

laute töne jagen
die einsamkeit
alte hüte
nimmt der wind
beim abschied

wir sehen uns
wieder
oder wir
sehen uns danach
wie du willst
ich gehe unter

und wann endlich
spricht
dieser himmel zu mir?
so groß er ist
so schweigsam auch

ich trommle
einfache musik
die ich verstehe
vielleicht machst
du morgen mit

berndg42; im Dezember 2018

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