Ach mein Google!


Du erinnerst mich täglich an meine Wünsche. Und eigentlich waren doch so mache nur Träume. Vieles interessiert mich auch nicht mehr. Aber du bist hartnäckig und allgegenwärtig. Und ich möchte das eigentlich nicht. Doch ich merke, dass ich deiner Aufmerksamkeit nicht entfliehen kann. Wohin soll ich gehen und meinen Alltag ohne dich verbringen?

Da ist mein Nachbar, der mich fragt, ob ich denn nicht wüsste, dass da ein Hoch auf uns zukommt. Mit all der Trockenheit und unerträglichen Hitze. Ich kann doch nicht zeigen, dass ich davon nichts weiß. Er wird mich fragend ansehen, wenn ich bemerke, dass ich nicht ins Netz gucke. Gehöre ich dann noch zu seinen guten Bekannten, wenn ich mich nicht mit ihm über dass aktuelle Bewusstsein austauschen kann? Nur weil ich versäumt hatte, mein Smartphone anzustellen? Oder in die sogenannten Nachrichten zu schauen? Oder auch nur über meine Frau mitgeteilt zu bekommen, dass sich das Wetter ändert?

Ich lebe in einem Haus, in einer Wohnung und kann gut auch mal für längere Zeit drinnen bleiben, ohne einen Verlust an Erlebnissen. Und da interessiert mich die allgemeine Wetterlage überhaupt nicht. Doch darf ich dieses Desinteresse anderen offen zeigen? Wo doch dieses Wissen zum Alltag gehört, den man so und so abzuleben hat. So,wie es alle machen. Und darf ich mich davon abweichend verhalten? Ist das nicht eine Absage an das Gemeinverständnis, gar des Demokratieverständnisses? Bin ich Außenseiter, der sich ins Abseits stellt, sich selbst gefährdet? Und womöglich auch das gesellschaftliche Wohlverhalten?

Oh mein Google! Du bist so hilfreich, wenn es darum geht, Neues zu entdecken. Aber was mich wirklich stört, ist die Gleichgültigkeit mit der du den wichtigsten Artikel unserer Verfassung missachtest. Du übergehst die Achtung vor der menschlichen Würde einfach so. Du fragst dich nicht, ob ich deine Allgegenwart erträglich finde. Ob es mich ärgert, dass sie mich vielleicht in meinem Lebensweg umleitet. Auf Dinge, die mir in deinen Werbeanspots so nie zuvor wichtig waren.

Eigentlich ist es doch ein wesentlicher Anteil meiner persönlichen Würde, über mein Leben selbst zu bestimmen. Du nimmst nicht wirklich teil an meiner individuellen Menschwerdung. Die Selbstbildung meiner Persönlichkeit ist dir gleichgültig, denn hinter deiner Absicht stecken ökonomische Interessen. Du willst mich benutzen! Du willst Geld verdienen. Nicht mein Geld. Du verkaufst mich an Dritte, die mein Geld haben wollen. Das ist in unserem System moralisch nicht verwerflich. Aber was ich die vorhalte, ist die hinterhältige Art und Weise, wie du mich aushorchst. Du bist ein Spion. Solche Leute hatte man früher aus guten Gründen eingesperrt. Und jetzt darfst du das Spionieren freizügig Tag und Nacht hemmungslos betreiben. Da guckt dir kein Geheimdienst in deine Karten. Kein Richter spricht ein Urteil über dein schäbiges Verhalten. Nicht einmal Steuern musst du dafür bezahlen. Wem nützt du eigentlich? Und könnte ich nicht auch ohne dich meine Zeit gestalten?

Wenn du nicht bald eine Antwort gibst, die ich als menschlich empfinde, dann werde ich mich von dir abwenden. Ich werde Wege suchen, auf denen du mir nicht folgen kannst. Ich werde mich über Umwege im Netz schlau machen. Also wird das kaum ein Nachteil für mich sein, nur etwas unbequemer. Und ich werde dich mit meinen unsinnigen Fragen ärgern. Ja, ich weiß, dass du viel elektrische Energie umsetzt, wenn man blöde Fragen stellt. Aber was sind blöde Fragen? So manche passen ohnehin nicht in dein Konzept. Fragen, die für unser System nicht relevant sind, verursachen auch einen Energieumsatz. Und den bezahlen alle. Aber auch diejenigen, denen du hilfst, an mein Geld zu kommen. Und nach meiner Auffassung sind die vielen Nachfragen im Konsumbereich nicht diejenigen, die für mich relevant sind. Leider muss ich aber auch die dadurch verursachten hohen Preise bezahlen. Und ich habe sie dann nicht im Netz verursacht, fühle mich also nicht schuldig, weil ich immer noch im Supermarkt einkaufen gehe und bar bezahle. Als toleranter Zeitgenosse soll mir das aber Wurscht sein. Es gibt schlimmere Ungerechtigkeiten, die ich ertragen muss. Nur wirst du nicht länger mein Freund sein. Hätte ich schon früher gewusst, was für ein gemeingefährlicher Typ du bist, hätte ich deine Hilfe nie in Anspruch genommen.

Adieu Google! Treibe dein Unwesen nur weiter. Die Leute werden bald sehen, was sie wirklich davon haben…

berndg42; im August 2019

Werbeanzeigen

Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
Dieser Beitrag wurde unter Lyrik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s