Die Begegnung


Die Nacht der funkelnden Sterne legte sich wie ein Versprechen auf meine Seele. Ich lobte den dunklen Himmel und versank in eine Träumerei. Lag da ein schwarzer See vor mir. Weit hinter dem Horizont glimmte ein schwaches Licht. In einer Farbe, die ich noch nie so gesehen hatte. Ein geheimnisvolles Zittern und Glitzern in der ganzen Breite über den Bäumen das Waldes. Ich dachte an die Prophezeihung aller Religionen. Der Offenbarung der Wahrheit, die mich überkommen sollte. Ich wehrte mich nur einen Augenblick lang, diesem Zauber zu erliegen. Dann stimmte ich ein in die Harmonie des Seins. Mit allen Sinnen erwachte ich aus der Tiefe meines Inneren und schaute in den fernen Schimmer der Verheißung.

War das Sünde? Nein, denn als Mensch kann ich nicht wissen, was mich in diese Welt gebracht hat. Was mich drängt, darüber nachzudenken, was sie bedeutet, diese flüchtige Zeit des Bewusstseins in der Unschuld des Unwissenden, der vom Himmel geleitet wird.

Ich bin nur ein lebendes Wesen unter vielen, für die diese Erde eine Heimat ist. Den blauen Himmel und den Mond sehen. Die Wasser und Wolken, die Blumen und Bäume. Die Gräser und die Berge. Den Wind spüren und die Wärme der Sonne lieben.

Aber nichts bleibt mir mehr verborgen, als die Entstehung der Welt und der Sinn des Seins.

Und mitten hinein in dieses Bild des Friedens näherte sich unbemerkt eine hoch aufgerichtete Gestalt. Eine schlanke Frau mit grauen Haaren. Mit einem Lächeln zeigte sie sich freundlich zugeneigt, mir eine Frage zu stellen: „Bist du der, den ich aufsuchen soll?“ Ich verstand nicht gleich den Sinn ihrer Frage. Und wie sollte ich auch gewiss sein, dass ich gemeint war. Ich antwortete brav: „Ich weiß es nicht. Doch wenn es so sein soll, dann will ich mich demütig bekennen.“ Sie akzeptierte meine Antwort wie eine weise Botin des Allmächtigen. „Du bist der Mensch, der den Sinn des Seins verkünden wird.“ Ich war sprachlos, denn ich glaubte in aller Bescheidenheit nicht daran, selbst ein Verkünder zu werden. „Aber was ist, wenn mir die Menschen nicht folgen?“ „Dann wirst du erleben, dass es Mühe macht, sie zu bekehren“, meinte sie. „Also verkünde ihnen das Heil der Nächstenliebe!“

Das war das göttliches Gebot, das ich aufnehmen und verbreiten sollte. Ich verstand und nickte artig. „Also“, sprach sie, „dann halte dein Versprechen und bemühe dich fürderhin, die Liebe zu deinen Schwestern und Brüdern zu predigen“. Ich nickte abermals und nahm wie versteinert diesen Auftrag an. Sie verschwand so unauffällig, wie sie gekommen war.

Ich begriff, dass ich einem Engel begegnet war. Von nun an war es mein Bestreben, jeden Menschen zu umarmen und ihm zu versprechen, dass es einen Sinn macht, auf Erden zu sein.

Leider war es nur ein kurzer Traum. Ich erwachte aber mit dem inneren Drang, das Erlebte sobald in Taten umzusetzen. Und ich denke, dass ich nimmer müde werde, diese frohe Botschaft zu vermitteln.
berndg42, im Januar 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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