Mein Albtraum


Vielleicht war es nur eine Magenverstimmung. Jedenfalls schlief ich schwer ein. Und dann quälte mich ein Traum:

War ich doch ganz unvermittelt in einem fernöstlichen Land. Die Leute zeigten sich freundlich, doch etwas störte sie. Lange brauchte ich, bis mir klar wurde, dass sie meine Gegenwart nicht wirklich ertragen konnten. Ein nach Kas und Bier stinkender Bayer mit einem zotteligen Rauschebart und in einer fremdartigen Lederhose. Solche ungewohnten Erscheinungen mögen sie dort nicht. Und ich war nicht überrascht, als ich hörte, dass man die Zuwanderer eigentlich der staatlichen Überwachung melden soll. Dann würden Soldaten kommen, die sich um die Entsorgung kümmerten. Was das war, blieb mir zum Glück erspart, denn ich beschloss schon bald rechtzeitig zu fliehen. Ich wurde zum Vertriebenen, zum Flüchtling. Es war also nicht meine neue Heimat, in der ich eigentlich Unterschlupf für ein bescheidenes Leben gesucht hatte. Ein Fremdkörper allenthalben, der sich zum Teufel scheren sollte. Und nun war ich auf der Flucht. Überall, wo ich mich sehen ließ, kamen mir die Menschen jetzt auch sehr fremd vor. Ich hatte gelernt, misstrauisch zu sein. Auf der Hut vor Feinden, die ich nun überall vermutete. Vielleicht sah man mir die Zweifel an der Menschheit an. Ich verlor jegliches Vertrauen und ich fragte mich, ob ich in dieser Verfassung im fernen Voralpenland wieder normal leben könnte. Also wurde ich zum Erdenbürger ohne Niederlassung. Jemand, der jetzt überall Ausländer war. Wo auf der Welt sollte ich hin?

Als ich nachsinnend am Strand eines großen Meeres saß, kam eine junge Frau mit verschleiertem Antlitz vorbei. Sie betrachtete mich wortlos und in ihren Augen erkannte ich ein freundliches Lächeln. Ich erwachte aus meiner Lethargie und meine Stimmung wurde sofort fröhlicher. War das die Antwort auf meine Fragen? Zielstrebig suchte ich den Zugang zur Stadt und buchte meinen Rückflug. Ich wusste jetzt, worauf es ankommt. Und wenn mir wieder jemand berichtete, dass er wegen der fremden Migranten große Angst empfindet, beruhigte ich ihn ebenfalls mit einem Lächeln. Allmählich fand ich mein Selbstvertrauen zurück. Und ich habe erfahren, wie gut es ist, fremden Menschen mit Toleranz und Vertrauen zu begegnen. Nur so wird man nicht selbst zum Feind im eigenen Land.

Entspannend war mein unruhiger Schlaf nicht, aber manchmal hilft ein Traum, den Alltag besser zu gestalten.

berndg42; im Dezember 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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