Egoistenland


Das Prinzip der Übervorteilung hat sich etabliert. Man schämt sich nicht, den Mitmenschen zu betrügen. Das ist moralisch erlaubt und selbst die christlichen Religionen tolerieren diese kleinen Sünden. Und manche meinungsmachende Ideologen behaupten sogar, dass diese Verhaltensweise unser erfolgreiches Wirtschaftssystem stabilisiert. Eine sog. Volkspartei will aber den erkennbaren Verfall durch berechtigte Zweifel an der Richtigkeit verhindern und sucht nach Protagonisten, die bewährte Rezepte aus der Mottenkiste kramen.

Der Zustand spitzt sich zu. Einige kommen ans große Geld, andere bezahlen ihnen dieses Privileg. Rechtlich abgesichert dürfen sich manche Gruppierungen auch ohne den Beifall der Mehrheiten benehmen wie die Räuber um den berühmten Hotzenplotz. Kriminelle mit Krawatte und Maßanzug bestimmen über unseren Alltag. Grenzen sich ab wie eine andere Klasse der Gesellschaft, die global das Sagen hat. Die Menschheit hat gefälligst mitzulaufen. Wenn auch beschwerlich, aber mehr steht ihr nicht zu. Klassenbewusstsein der überall anzutreffenden Egoisten.

Und dann sehe man sich an, was dieser Turbokapitalismus für Auswüchse zeigt. In den afrikanischen Armutsländer wird der Strand mit den verbrannten Resten der Überproduktion verseucht. Wegwerfprodukte, gegen deren Verschwendung einige wackere Reparaturcafes aussichtslos kämpfen. Der Potentat einer militärischen Macht will vom Klimawandel nichts wissen und läuft offenen Auges auf die Kathatastrophe zu. Ausbeutung und Vermarktung sind die Mechanismen, die von solchen Machern beschwört werden. Nach außen Gentlemen, aber in Wahrheit durch den Trieb des Besitzenwollens, der Macht über alles und gegen alle Vernunft betreiben sie ein Spiel mit uns. „The winner takes it all.“Das ist ihr Kredo, das sich eigentlich gegen die egoistischen Gene richtet. Denn mit mit der Ausssicht auf den totalen Zusammenbruch der Evolution lässt es sich noch einige Zeit ganz passabel leben.

Und Fatalismus, wer spricht denn über sowas? Schwächliche Zeitgenossen und Bedenkenträger verhindern den Fortschritt. Sie stören leider den versprochenen Erfolg. Man muss sie mundtot machen, um jeden Preis. Und vorsichtshalber verstärken wir schon mal die bürgerliche Festung. Verschärfen das Polizeirecht und bauen rechtzeitig neue Gefängnisse. Grenzen dicht und die Speere spitzen. Notfalls wird zurück geschossen. Basta!

Und zum Teufel mit den Armutsflüchtigen. Die sollen bleiben, wo sie hergekommen sind. Die gehören nicht zu uns. Und warum sollen wir etwas abgeben von unserem Reichtum? Nicht zu meinen Lebzeiten! Mögen sich die Nachkommen vielleicht anders entscheiden, wir nicht. Denn unsere Villen und schönen Autos haben wir uns redlich verdient. Sehe ich nicht ein, dass ich Allmosen verteilen soll. An Nichtsnutze und Hergelaufenen, die in ihrem Land nicht zurechtkommen.

Und dann werden die uns unterwandern, mit ihrem Fanatismus gefährden. Haben wir doch alles nicht nötig. Ausländer raus! Und wenn wir das nicht durchsetzen, gefährden wir unseren Wohlstand. Unser schönes Europa wird sich negativ verändern. Unsere Werte, die wir als eine stolze Nation vertreten, werden bedeutungslos. Können wir das verantworten? Nein, wir wehren uns. Und das kann man uns doch nicht vorwerfen. Außerdem haben die Zugelaufenen doch auch keine Moral. Sie sprengen sich selbst in die Luft und nehmen hin, dass andere mit ihnen sterben. Was ist denn das für eine primitive Einstellung? Brauchen wir doch alles nicht in unserer schönen Heimat, die vielleicht von denen kaputt gemacht wird. Das lassen wir nicht zu.

Und was heißt hier menschlich? Solche Ansprüche gehören in die Kirchen. Ebenso wie die Sprüche von Nächstenliebe. Begriffe, die uns ohnehin schon seit langer Zeit fremd geworden sind. Dafür kann ich mir nichts kaufen. Ich muss selbst zusehen, wo ich bleibe. Also lasst mich doch bitte in Ruhe mit solchem Gefasel. Ich gehe jeden Tag arbeiten und belästige Niemanden. Und mehr erwarte ich auch nicht von meinen Mitmenschen. Meine Nachbarn kennen mich als friedvollen Kumpel. Mit ihnen komme ich klar. Mehr geht sowieso nicht. Ich brauche meine Tagesschau, mein Bier und meinen Krimi. Und Mutti wird das schon machen. Politik ist ein schmutziges Geschäft. Damit stört mir bitte nicht meinen Frieden. Meine Freizeit kann ich auch ohne solche Themen geniessen. Der Himmel ist blau. Und wenn ich nach oben sehe, ziehen da weiße Wolken vorüber. Ich bin zufrieden, mit dem was ich habe. Türe zu und Rolladen runter. Gute Nacht ihr Träumer von einer besseren Zukunft.

berndg42; im November 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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