Die Gesellschaft der Herzlosen


Als Betreuer einer Familie aus Afghanistan sind mir drei symphatische Menschen ans Herz gewachsen. Ich fühle mich ohne Aufforderung vepflichtet, ihnen zu helfen, sich in unserem Land zurecht zu finden. Ich kann auch nicht verstehen, weshalb sich viele Politiker und ihre umsorgten Wähler abwenden vom Schicksal fremder Zuwanderer. Meistens Stimmengeber für Parteien, die ein C im Namen haben. Völlig unverständlich, dass sich die Kirchen zurückhalten. Ich habe einfach keine Freude daran, zukünftig mit herzlosen Mitmenschen in der Gemeinschaft zu leben. Ich möchte auch nicht darauf verwiesen werden, dass mein Paradies im Himmel zu suchen sei. Es ist für mich unerträglich, alltäglich christlichen Heuchlern und ihren Vertretern in der öffentlichen Meinungsmache zu begegnen.

Unaufrichtig aneinander vorbei zu sehen, scheint bei uns das normale Verhalten zu sein. Worum geht es eigentlich in den ständigen Aufrufen nach Abschiebung? Afghanistan als sicheres Herkunftsland zu deklarieren, ist doch eine unfassbar dicke Lüge, die von der Regierung vertreten wird. Unfassbar, dass sich die schweigende Mehrheit nicht dagegen ausspricht.

Als sozial eingestellter Mensch bin ich selten auf der Überholspur und bedränge auch nicht diejenigen, die langsamer fahren. Als Ingenieur weiß ich um die ungeheure Gefahr der Bewegungsenergie, die von einem fahrenden Auto ausgeht. Sind wir denn mehrheitlich wegen des Mangels an naturwissenschaftlicher Bildung unfähig, uns im Land angepasst zu bewegen? Die ständige Gefährdung auf den Straßßen wird durch die Verbesserung der technischen Schutzeinrichtungen von den Herstellern kompensiert. Das kann aber nicht so weitergehen, nur um den unwissenden Konsumenten die angebliche Freiheit des Rausches der Geschwindigkeit zu verkaufen! Irgendwann muss uns die Vernunft Einhalt gebieten. Und das heißt, einen gut bebildeten Verstand zu benutzen.

Nach meiner Auffassung haben sog. sportliche Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen nichts zu suchen. Diese PS-starken Fahrmaschinen sollten sich ausschließlich auf Rennbahnen bewegen. Und ob die Fahrer sich dabei sportlich betätigen, sei dahingestellt. Solche Eignungstest von Verbrennungsmaschinen sind längst überflüssig. Autos werden nach dem fremd bestimmten Marktverhalten der Käufer hergestellt, nicht wegen des Erkenntnisgewinns für den technischen Fortschritt.

Tut unsere Schulbildung eigentlich genug, um dieses Wissen in die Köpfe unserer Kinder zu bringen? Ich meine nicht. Und so trennen sich die Gruppierungen in einer HighTech-Gesellschaft. Die einen verstehen die Zusammenhänge, die anderen leben einfach ungehemmt daher. Das kann nicht gut gehen! Irgendwann werden die Konflikte unlösbar, weil viel zu spät für die notwendige Aufklärung gesorgt wird.

Eine konservative Politik, die immer noch auf Bildungsideale des Neunzehntenjahrhunderts setzt, ist schädlich für die moderne Demokratie. Sie bewirkt das Gegenteil, nämlich ihren Zusammenbruch. Das sollten diejenigen sich hinter die Ohren schreiben, die seit Jahren alles vernachlässigen. Und dabei kann man ihnen nicht etwa Unwissenheit unterstellen. Sie handeln unverantwortlich! Durchweg haben sie alle das Reifezeugnis der Matura abgelegt. Allerdings ohne den Grad einer notwendigen Bildung, die die MINT-Fächer einschließt. Und das merkt man nur allzu deutlich an ihren Fehlentscheidungen. Ihnen fehlt für eine gute Politik im Einundzwanzigstenjahrhundert einfach die Kompetenz.

Mehr Ingenieure in die Parlamente, wäre meine Forderung. Denn von wem kommen denn alle die Innovationen, die für unseren Exportüberschuss sorgen? Etwa von den Geisteswissenschaftlern, von den Ökonomen, den erfolgreichen Medizinern oder den Juristen?

Diejenigen Unternehmer, die Maschinen und andere technische Produkte herstellen und exportieren, halten eigentlich unsere Wirtschaft am laufen. Alle anderen leben vom Überschuss. Denn die Einkommen werden in den Umlauf gebracht. Und die hohen Honorare der akademischen Freiberufler könnten vom Arbeitnehmer wohl kaum bezahlt werden, wenn er nicht an dem Verkauf der Produktion adäquat mitverdient.

Und natürlich kann man sich alltäglich über die Dummheiten ärgern, die in den Medien verbreitet werden. Journalismus hat längst die Verantwortung für Redlichkeit verloren. Jetzt erst wird das beanstandet. Auch zu spät, um die Schere im Kopf wieder zu vergessen. Alles wird in zurechtgeschnippelten Info-Häppchen so aufbereitet, dass Informationen, die früher echte Nachrichten waren, so angeboten werden, dass der Konsument beruhgt einschlafen kann …nach dem Krimi. Nachrichten als Infotainment für die Unterhaltung des gelangweilten Bürgers. Ist das noch normal? Wer schafft denn eigentlich wirklich den Reichtum, der einer bestimmten Gruppe die dekadente Lebensweise gönnt, sich am Abend verschwenderisch die Zeit anders zu vertreiben als vor dem Fernseher zu sitzen? Es ist die Mehrheit der fleißigen Arbeitnehmer, die schlecht bezahlt werden. Und die sehr früh aufstehen müssen, um die Produktion der Güter zu sichern. Die unter Existenzangst sich nicht krank melden. Die sich mit einer niedrigen Rente zufrieden geben sollen.

Und in diese Stimmung hinein kommen nun noch Flüchtende. Fremde aus einer anderen Kultur. Sie bringen nichts mit als ihre Würde und ihre Religion. Und die Würde möchte man ihnen am liebsten gleich absprechen. Denn es gibt unter ihnen ja junge Männer, die bärtig sind und ein Messer in der Tasche haben.

Ja, den Hass mancher Zeitgenossen spüren auch sie. Sie haben ebenso Angst vor einer Begegnung im Dunkeln. Und was wird öffentlich für eine Aufklärung getan? Nichts, denn darüber spricht man nicht. Ist das die Antwort der sog. bürgerlichen Mitte? Wo bleiben denn die gebildeten Aufklärer, die hier dem Volk sagen müssten, wie die Dinge zu sehen sind?
Sie haben in der Tagespolitik offenbar wichtigeres zu tun. Sich um den Zusammenhalt ihrer Partei zu kümmern und sich nach Wählerstimmen zu richten, die ihnen zustimmen, denn sonst verlieren sie ihren Einfluss. Und sie sind sichtlich bemüht, die Wünsche der Wähler ohne Anhörung selbst zu formulieren. Ist ja auch einfacher, denn eine Befragung wäre wohl zwischendurch zu aufwendig. Man arbeitet auf ein Ziel hin, auf die nächste politische Wahl. Das ist ökonomisch sinnvoller als den Kontakt zum einzelnen Bürger zu suchen. Da besetzt man doch lieber die Talkshows im TV mit den bewährten Vertretern, die durch ständiges Wiederholen die Meinungen im Volk bilden, die man sich wünscht.

Die Stimmung ist angespannt. Die Welt wird täglich komplizierter. Und immer mehr Menschen verstehen die Zusammenhänge nicht mehr. Nach wohin soll man sich ausrichten? Soll man schweigen oder protestieren? Es scheint so, als ob sich niemand mehr wirklich für den Mitmenschen interessiert. Und ich wiederhole mich:

Ich habe einfach keine Freude daran, zukünftig mit herzlosen Leuten in einer Gemeinschaft zu leben. Ich werde mich wehren, denn auswandern kommt nicht infrage!

berndg42; im September 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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Eine Antwort zu Die Gesellschaft der Herzlosen

  1. Stegemann schreibt:

    Das ist mir aus dem Herzen gesprochen.

    Gefällt mir

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