Die Bewegung


Weiß nicht so recht. Soll man oder nicht? Aber die Situation verlangt nach Reaktionen. Wenn der Schneeball nicht zur Lawine werden soll, dann muss man das verhindern. Aber wie? Damals machten sich unsere Eltern vielleicht nicht so viele Gedanken und wurden vom braunen Mob verführt. Heute ist die Welt chaotisch strukturiert und die Cleveren haben die Massen im Griff. Beuten sie aus, könnte man böswillig behaupten. Doch eigentlich sind es die Schwächen des Menschen, seine Habgier und der Siegerstolz, die Sicherung der Existenz, die ihn antreiben. Alle sind mehrheitlich auf demselben Trip. Kann man ihnen die unreflektierte Lebensweise vorwerfen? Den Gebildeten schon. Aber auch denjenigen, die auf einem Kreuzfahrtschiff nicht nach dem Sinn des Lebens suchen?

Überwiegend haben sie die Nächstenliebe vergessen. Die christliche Botschaft wird auch am Sonntag überhört. Ansonsten geht es um den Profit, um die Sicherung des Einkommens und die Verwirklichung der Konsumwünsche.

Und da sind auch noch die Fremden. Die, denen man nicht gönnen möchte, dass sie ohne Anstrengungen an unserem Wohlstand teilhaben möchten. Schnell wird vergessen, dass darunter viele sind, die ihr Leben auf der Flucht beinahe verloren hätten. Menschen, denen man am liebsten das Recht auf Freizügigkeit absprechen möchte. Jedenfalls solange man selbst hinter sicheren Grenzen wohnt. Und sind die nicht besser in ihrem Herkunftsland aufgehoben? Uns gibt man nur eine kleine Rente und die kriegen alles, was man sich denken kann! Wirklich? Jemand schrieb heute bei SPON, dass man ja nur die besten Handys ausgeben kann, weil die eine längere Lebensdauer haben. Und dass nur die Markenklamotten verteilt werden, weil auch die nicht so schnell altern und deshalb verfügbar sind. Da kommt beim Ansehen der Fremden natürlich ungewollt Neid auf.

Der Alltag wird täglich komplizierter. Und immer mehr Menschen verstehen die Zusammenhänge nicht mehr.

Was machte früher die Sippe, wenn sie in Gefahr war? Sie rückte enger zusammen. Aber ist das die Lösung in globalisierten Gesellschaften? Gewiss nicht. Eine schnelle Anpsassung mit neuen Werten muss her. Weltweit müssen wir uns auf Standards verlassen können. Denn sonst entstehen überall die Konflikte. Welche Werte und Normen wären das?

Zunächst einmal der Blick in die Augen meines Bruders, meiner Schwester. Wir sind alle von derselben Spezies. Besinnen wir uns darauf! Aliens kommen von außerhalb, von anderen Sternen.

Und dann können wir auch alle nicht die Erde verlassen. Eine Wahrheit, mit der wir noch eine Weile leben müssen. Wir haben nicht die Wahl zur Auswanderung auf einen anderen Planeten. Wir müssen uns also hier und heute zurechtfinden. Also können wir nicht voreinander weglaufen.

Und die Frage nach den Grundbedürfnissen, nach Nahrung und Schutz vor der Witterung geht uns alle an, wenn wir nicht zusehen wollen, wie einige von uns vor der Höhle erfrieren oder verhungern müssen, weil wir sie nicht zu uns lassen. Also gilt das Gebot des gerechten Teilens der Güter.

Und haben sich die Thesen der Religionen wirklich bewährt? Stimmt es denn wirklich, dass wir das Paradies nur im Himmel finden werden? Haben diese Thesen Kriege und Unglück verhindert? Wollen wir wirklich auf Glück und Zufriedenheit auf Erden verzichten? Ich denke nicht. Und bei aller Demut vor dem Himmel kann ich bis heute keine Bestätigung der göttlichen Versprechen erkennen. Also bleibt uns nur die Selbsthilfe!

In Europa hat sich die Aufklärung am weitesten durchgesetzt. In der kulturellen Bildung findet man viele Menschen, die sich verstehen. Und die auch stolz sein dürfen, wenn es um Vergleiche der Kontinente geht. Aber ist es denn ein Fortschritt in der Bildung, wenn wir jetzt egoistisch wie vor dreißigtausend Jahren die Speere schärfen, um die Eindringliche aus unserem Revier zu vertreiben? Eigentlich ist da keine kulturelle Entwicklung zu erkennen. Eher verhalten wir uns wie primitive Neandertaler, die nur die eigene Existenz verteidigten. Aber wir schicken uns an, die Raumfahrt zu entwickeln. Hoch über dem Planeten würden wir alle Konflikte vergessen. So berichten jedenfalls die Astronauten. Sie haben gesehen, wie klein und nichtig unsere Streitigkeiten hier unten sind.

Der drohende Verlust der Demokratie wird beklagt. Mich wundert es nicht, wenn eine konsumorientierte Gesellschaft nur noch dem Spaßhaben nachläuft und sich vor der Verantwortung für das Ganze drückt. Eine Unterhaltungsindustrie für aufgearbeitete Tagesnachrichten sorgt für sorgenfreies Einschlafen nach dem Krimi. In den sozialen Foren wird nur noch gemeckert und gepöbelt. Niemand wagt es, einer Cybermehrheit zu widersprechen, sich gegen den Trend zu stellen. Ehrlichkeit bleibt auf der Strecke. Die Fassade der vereinsamten Individuen muss gewahrt bleiben. Bloß nicht auffallen mit einer eigenen Meinung!

Ich denke nach. Es muss tatsächlich was geschehen. Eine Welle des gemeinsamen Handelns wäre wünschenswert. Ich denke nach. Und vielleicht trage ich mich morgen schon ein, bei „aufstehen“. Könnte ja sein, dass man sich rechtzeitig bewegen muss, um nicht unterzugehen. Im Nichtstun, in der Anonymität die Strömungen der Zeit verschläft.

berndg42; im September 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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