Unter Schlechtmenschen


Da treten sie immer wieder auf in den Medien, die Wohlstandsegoisten. Sie bezweifeln nicht, dass es eine Mehrheit von egagierten Helfern im Land gibt, die sich ehrenamtlich um die Integration von Zugewanderten bemühen. Aber sie verbreiten die These, dass diese Hilfsbedürftigen dem Volk schaden würden. Und sie schüren Ängste. Die Angst vor der Islamisierung. Man spricht von einer heimlichen Unterwanderung durch Muslime.

Woher wollen diese Schlechtmenschen gesichert wissen, dass die zu uns gekommenen Flüchtlinge dem Volk schaden? Sie verweisen dabei auf einen „Fehler“, den sie in der Vergangenheit begangen haben. Damals riefen sie nach Arbeitskräften, aber mit ihnen kamen Menschen, die nichts weiter wollten, als hier zu leben. Wie konnten sie sich denn diese klugen Köpfe so irren und eine Moral verbreiten, nach der man den Eigennutzen nicht kritisieren darf? Ist es denn redlich, nur nach dem „Bedarf“ zu schielen, aber die Würde der Menschen unbeirrbar zu verachten? Ist das nicht eine zutiefst undemokratische, auf Egoismus ausgerichtete Gesinnung, die uns wirklich schaden kann? Ich kann mir kein zufriedenes Leben unter „Schlechtmenschen“ vorstellen. Eine individualisierte Gesellschaft ohne Nächstenliebe braucht keine christlichen Kirchen. Stellt doch bitte einmal im Geiste diese kapitalistischen Figuren in einen Glaskasten und fragt euch, was sie euch wirklich bedeuten.

Und dazu diese ewigen Diskussionen über die Absicherung der Grenzen. Ein offener Geist sieht hier kein Problem. In den „Vereinigten Staaten von Europa“ leben 500 Millionen Einwohner. Und selbst wenn noch weitere 10%(50 Millionen!) als Armutsflüchtlinge kämen, würden wir sie wie ein Schwamm aufsaugen. Die jetzt jammernden Schlechtmenschen würden kaum davon berührt sein. Handelt es sich doch überwiegend um solche, die im Wohlstand leben, nicht um diejenigen, die im Abfall nach Pfandflaschen suchen. Amerika hat uns diese „Duldung“ jahrelang vorgemacht. Hat es dem Kontinent geschadet?

Man sollte mit Nachdruck jeden lautstarken Politiker darauf verweisen und ihm klarmachen, dass er mit der Gesinnung „Ausländer raus“ eben keine Wählerstimmen mehr einsammeln kann. Diese unerträglichen Dispute um „die Flüchtlinge“ wären endlich abgestellt und nicht mehr im Fokus der Medien. Die Regierungen könnten sich dann prioritär um die wirklich wichtigen Probleme unseres Systems kümmern. Nämlich uns dringend davor zu schützen, dass der demokratische Zusammenhalt zunehmend zerfällt.

Im Osten „vermehren“ sich die Rechtsradikalen. Sie begehen Straftaten, die kaum öffentlich kritisiert werden. Im Westen leiden die Einwohner unter der Wohnungnot. Die Investoren aus dem Ausland freuen sich über die Renditen. Man muss nicht neidisch sein, um zu ahnen, wohin das führt.

Und wo bleiben die Stimmen der Kirchen? Ich vermisse ihren lautstarken Protest. Sind sie noch die Gemeinschaften der Nachfolge von Jesus Christus? Vertreten sie ihren Glauben und den Anspruch der christlichen Gebote noch so deutlich, dass man ihn wahrnehmen kann?

Man hat den Eindruck, dass viele den unangemehmen Fragen einfach nur aus dem Weg gehen wollen. Sie möchten sich in ihrem vom Wohlstand gesicherten Lebenswandel nicht stören lassen. Ihr Individualismus ist das Spiegelbild der Protagonisten in Politik und Wirtschaft. Und dort sorgen schon die Verantwortlichen dafür, dass das System nicht infrage gestellt wird und an vermeintlich unwichtigen Auseinandersetzungen zerbricht, die sich weiter unten abspielen.

„Lasst mich in Ruhe! Die da oben werden es schon richten.“ Eine gesellschaftspolitische Einstellung, die sich scheinbar über Jahre bewährt hat und die durch die Stimmen einer Gruppe von Wählern immer wieder stabilisiert wird. Solange diese Wählerschaft eine Mehrheit bildet, können sich die Unzufriedenen am Rande des Geschehens die Köpfe einschlagen. Die Konservativen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen und alles unverändert lassen wollen. Notwendige Anpassungen verschleppen sie. Erst dann, wenn nichts mehr geht, geben sie nach und akzeptieren sogar Fahrverbote. Eine Meinungsdiktatur, die ihre Kraft im gelassenen Zurücklehnen sucht. Der Glaube an Veränderungen ist tabu. Und in vielen Köpfen der Intelektuellen äußert sich das kaum wahrnehmbar, weil längst pflichtgemäß verschwiegen, kommt die Wahrheit in der Tagesschau nur durch ein Versehen in der redaktionellen Vorgabe gelegentlich an die Oberfläche des öffentlichen Bewusstseins. Ein krankhaftes Verdrängen schadet offenbar nicht der „Volksgesundheit“. Sind wir denn wirklich eine Vorzeigedemokratie? Nach meiner Meinung müssen wir noch sehr lange an einem positiven Abbild arbeiten. Aber es wird höchste Zeit, sich endlich nach vorn zu bewegen.

berndg42; im August 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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