Mir ist danach, darüber zu schreiben


Seit einiger Zeit unterstütze ich mit meiner schwachen Kraft eine Familie, die viel Leid erlebt hat. Nachdem ihnen eine Wohnung zugesprochen wurde, kam jetzt Arbeit auf uns zu. Zunächst mussten die wichtigsten Möbel, nämlich Bett und Tisch beschafft werden. Zum Glück gibt es bei uns eine Möbelscheune voller Spenden. Also stellten wir alles Greifbare zusammen: Ein Bett, einen Eßtisch mit Stühlen, einen kleinen Beistelltisch und einen großen Teppich. Auch Haushaltswaren, Töpfe und Geschirr bekamen wir kostenlos. Eine türkische Familie hat uns zwei Sofas und eine Wohnzommerschrankwand geschenkt. Dann aber kam unerwartet die Entäuschung: Ein bereits zugesagtes Bett kann nicht pünktlich geliefert werden. Und so landeten wir am Samstagvormittag in einem Geschäft, das Möbel aus Haushaltsauflösungen anbietet. Natürlich nicht ganz billig. Für ein Doppelbett mit Lattenrosten musste ich ordentlich vorlegen. OK, wir brauchen es dringend, denn sonst würden zwei der lieben Menschen beim Einzug für längere Zeit auf dem Boden schlafen. Und einen einfachen Spiegelschrank mit Waschtischunterschrank hat man uns fast geschenkt. Diese Kleinmöbel werden vermutlich vom Jobzenter nicht bezahlt werden.

Die vaterlose Flüchtlingsfamilie hat ja nichts mitgebracht. Und eine Dreizimmerwohnung ist leergeräumt unendlich groß. Das läppert sich, wenn man alle Kleinteile addiert, die allein für die Beleuchtung notwendig waren. Obwohl auch die Deckenlampen gespendet wurden, mussten doch Schalter und Steckdosen erneuert werden. Dübel, Klemmen, Installatiosndraht und Werkzeug stellte ich gern zur Verfügung. Einen Abfallbehälter für die Mülltrennung habe ich spontan für sie gekauft. Man kann sie doch nicht mit drei unterschiedlichen Mülleimern allein lassen. Geht doch nicht, wenn man weiß, dass sie jetzt Sozialhilfeempfänger geworden sind.

Aber es wurde auch höchtse Zeit, dass sie das Leben auf 12 qm endlich ändern können. Der Tag des Umzugs kommt näher. Und sie freuen sich natürlich auf die neue Bleibe. Heute haben wir zwei weitere Lampen aufgehängt und elektrisch angeschlossen, bleiben noch die für das Bad und den Flur. Aber das schieben wir mal vor uns her. Viel wichtiger sind jetzt die Matratzen. Da werden wahrscheinlich nur die ganz einfachen Rollmatratzen aus dem Dänischen Bettenlager vom Amt bezahlt. Sie sind jedoch nicht schlecht und den hergbrachten Federkernmatratzen dank moderner Schaumstoffe fast ebenbürtig. Wenn das geschafft ist, kann ich mich mit ruhigem Gewissen für eine kleine Pause zurücklehen.

In wenigen Tagen müssen sie das Flüchtlingsheim verlassen. Sie haben aber kaum Zeit, sich bis dahin ihrer Wohnung zu widmen. Denn das Amt verlangt kurzfristig nach schriftlichen Nachweisen, wenn ihnen bestimmte Ansprüche erfüllt werden sollen. Die Ummeldung des Wohnsitzes, Kontoauszüge der letzten zwei Wochen, eine Erklärung, wie die Kaution bezahlt wird,usw.. Was für eine Anstregung, wenn man nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Von Termin zu Termin hetzen, nur um ein Almosen zu bekommen. Aber wir machen alles geduldig mit, denn wir hoffen, dass uns wenigsten eine gebrauchte Küche zugestanden wird. Die wäre jetzt noch wirklich wichtig, damit man kochen kann und nicht von Konserven leben muss. Alle anderen Ansprüchen wollen wir zurückstellen. Kommt Zeit, kommt bescheidener Lebensstandard, denn bestimmt kein Wohlstand. Mit Fahrrad, Bus und Bahn werden die Fahrzeiten zu den Sprachseminaren(Sohn und Mutter) und der Hauptschule(Tochter) nun länger werden. Nur die Kinder haben Freifahrkarten. Die Mama muss viel bezahlen, wenn sie sich mal in der Großstadt umsehen möchte.

Der Sohn soll unbedingt eine Beschäftigung finden, vielleicht eine Lehre beginnen. Am liebsten möchte er Elektriker werden, denn er hat sehr interessiert zugesehen, wie ich die Lmpen installierte. Zur Zeit aber lernen alle noch Deutsch und möchten möglichst bald mit Zertifakten abschließen. Sie verstehen fast alles und können sich schon sehr verständlich mitteilen.

Wie ich sie jetzt kennengelernt habe, gibt es für mich auf der ganzen Welt keine so sympathischen Menschen, wie diese drei Anvertrauten aus einem fremden Kulturkreis. Sie sind fleißig, anspruchslos und freundlich. Meine Hilfe wird dankbar angenommen. Wir sind Freunde geworden und werden es auch bleiben. Und es tut mir gut, mal ganz selbstlos bedürftige Mitmenschen zu unterstützen. Geben ist tatsächlich seliger als nehmen. Und ich habe auch gleichgesinnte Mithelfer getroffen. Man versteht sich sofort, denn man weiß, was wirklich zählt: Humanität, Toleranz und Nächstenliebe!

berndg42; im April 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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