Mein Kampf


Da zeigen sie sich wieder, diese Saubermänner mit einwandfreier politischer Gesinnung, exakt gescheitelter Frisur, die Krawatte korrekt gebunden. So treten sie vor „ihr Volk“, das sie vermeintlich hinter sich wissen. Ihre Rückenstärkung für den völkischen Anspruch, unfehlbar zu sein. Die Stimme markig und unbeeinflusst von anderen Sprachen. Am besten im kernigen Bayrisch oder einem alpenländischen Dialekt, der schon einmal erfolgreich war und Millionen bezirzte. Mit ihrem ausgeprägten Stammesbewusstsein machen sie deutlich, dass alles Fremde in „unserem Land“ nichts zu suchen hat. Und selbst in den höchsten Regierungsämtern findet man sie. Sie verbreiten ihre Thesen von der kulturellen Dominanz in die Köpfe der Öffentlichkeit. Journalisten und andere Intellektuelle beschmutzen das Bild von der heilen Heimat, das sie sichern wollen. Mit der dümmlichen Arroganz von Halbgebildeten unterdrücken sie jede Kritik an ihrem Weltbild. Und viel schlimmer noch: Sie verachten das Fremde! Menschen mit anderem Glauben und einer fremden Herkunft sind Untermenschen, die man einsperren muss, damit sie sich nicht unter uns mischen. Diese „Schmarotzer“ wollen auf Kosten unseres Wohlstandes eine Bleibe finden, uns Brot und Arbeit wegnehmen, so ihre Märchen für Erwachsene. Eine ungeistige Fehlentwicklung, die schon vor achtzig Jahren zu unglaublichen Greueltaten führte. Soll sich das alles wiederholen?

„Rettet die Demokratie!“ möchte man täglich ausrufen. Doch das hilft nicht, denn man schreit auf taube Ohren. Das „Volk“ ist abgelenkt. Von den Problemen des Alltags, die immer bedränglicher werden? Oder von einer „Kopf in den Sand“-Haltung? Nichts von der Außenwelt an sich heran lassen. Das scheint ein Rezept zu sein, sich unbelastet aus dem Konflikt davon zu stehlen. Und diese Reaktion auf eine gefühlten Ohnmacht ist sogar verständlich, wenn man die vielen Potentaten in der Welt agieren sieht. Die vor den Augen der UNO ungeniert ständig lügen und Gewalt anwenden. Menschen töten und mit Waffen das dicke Geld machen. Alles im gesetzlichen Rahmen, versteht sich.

Recht und Ordnung beschwören die, die uns ängstlich stimmen wollen. Als ob diese selbst ernannten Garanten einer virtuellen Sicherheit uns etwas besonderes anzubieten hätten. Neben jedem braven Bürger einen Polizisten, der ihn bewacht und leitet, damit er nicht zum Terroristen wird. Das Leben von oben lenken und bestimmen, das ist der Anreiz des Bösen, dem sie verfallen sind. Liebe Kirchen: Werdet endlich lauter!

Von Recht und Ordnung kann niemand leben, der zur Tafel geht. Aber darauf kommt es denen nicht wirklich an. Sie streben nach Macht. Nach uneingeschränkter Verfügbarkeit der staatlichen Instrumente. „Machtergreifung“ nennen es heute die Historiker, was damals unausweichlich geschah. Wo bleiben ihre Stimmen, die uns vor törichter Wiederholung warnen könnten?

Und dann findet(erfindet) man in der Gesellschaft die „wahren Schuldigen“, die Macher in den Medien. Viel Feind, viel Ehr! Die Medien und das etablierte System werden infrage gestellt. Man muss sie zerschlagen, um die Probleme in der Welt zu lösen. Ein ungeheuer wirksames Prinzip, die Massen zu verführen. Ihnen vorzutäuschen, dass man nur die Ursachen beseitigen muss, damit alle glücklich werden. Aber zum Glück wissen die meisten Zeitgenossen, dass alles nur Schauspiel und Lüge ist. Die lautstarken Vertreter einer neuen Weltordnung setzen auf den eigenen Vorteil. Was hat uns eigentlich einen Trump oder den Brexit gebracht? Waren es die Geheimdienste? Oder war es die Schwäche einer demokratischen Gemeinschaft, die nur zögerlich ihre Gegenpositionen zeigt? Denen müssen wir Mut machen, die auch mal geordnet ihren Protest zeigen, immer und immer wieder. Nur mit Geduld und ständigem Anklagen des Bösen setzen wir uns auf lange Sicht durch. Gut, dass es die Ostermärsche gibt!

berndg42; 31. März 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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