Sachunterricht an Grundschulen


„Der Sachunterricht in der Grundschule – in manchen Bundesländern auch als Heimat- und Sachunterricht, kurz HSU bekannt – gehört neben Deutsch und Mathematik zu den drei Hauptfächern.“

So findet man Erklärungen im Netz.

Heimat- und Sachunterricht. Also vielleicht doch „Heile Welt“? Ist der inhaltliche Ansatz für eine Bildung hier eigentlich noch zeitgemäß? Findet hier Wissensvermittlung statt, die beiden Beteiligten, den Kindern und den Lehrern etwas bietet, mit dem sie die Fragen des Alltags in einer technisierten Gesellschaft beantworten können? Grüne Wiesen und Berge, die Namen der Flüsse kennen und verstehen, dass wir mit Wasser sparsam umgehen sollten. Sind das die Lehrinhalte, auf die es ankommt? Was denken sich die Macher solcher Vorgaben? Woher nehmen sie die Weisheiten, die sie uns vermitteln wollen? Und welche Relevanz haben sie anzubieten, die eine nachhaltige Orientierung gibt, unseren Kindern Wege zeigt, die sie nach dem Verlassen des Schulsystems gehen sollten, um der Gemeinschaft zu dienen. Indem sie ein Können anwenden, das uns befähigt, sich global durchzusetzen. Indem sie das notwendige MINT-Wissen einsetzen, das uns den technologischen Vorsprung vor Mitbewerbern auf dem Weltmarkt sichert. Sind das nicht die Szenarien, auf die wir uns rechtzeitig einstellen sollten? Und wie kann man das in Einklang bringen mit dem Nutzen der Sachmitteln, die für den Grundschulunterricht von den amtlichen Stellen bereitgestellt werden?

Viele Fragen, die jetzt und heute dringend geklärt werden müssten. Und wer kümmert sich von Amts wegen darum? Ich sehe kaum irgendwelche Aktivitäten, die mehr als Aktionismus sind. Da sucht man bei den bekannten Händlern nach Lehrmitteln, die man für die Bereiche Physik, Umweltchemie und Mathematik im Sachunterricht verwenden kann. Die Wirtschaft bietet an, was nachgefragt wird. Vergleicht man die Inhalte solcher in Koffern angebotenen Sammlungen, mit denen sich Grundschüler beschäftigen sollen mit denjenigen, die man bereits im Kindergarten oder der Vorschule verwendet, so erkennt man kaum einen Unterschied. Qualitativ ist kein „Mehrwert“ zu bemerken. Die Inhalte gleichen sich und sind gemessen an den modernen Ansprüchen eher ungeeignet. Etwas mit Magnetismus, etwas mit dem elektrischen Strom unter Verwendung von kleinen Glühlampen und vielleicht noch ein Filter, um verschmutztes Wasser zu reinigen. Als Ingenieur sehe ich hier überall nur Kinderkram. Eine Frechheit, unserem Nachwuchs dieses ungeeignete Sammelsurium vor die Füße zu legen und sie dann mit laienhaften Deutungen der ach so unwichtigen Materie allein zu lassen. Ja sogar eine Missachtung der Würde des heranwachsenden Menschen könnte man hierzu konstatieren. Nicht mehr als seichte Unterhaltung, wie man sie in den Medien pflegt, um von den wahren Absichten abzulenken. Ja liebe Leute, glaubt ihr denn wirklich, dass sich die Kinder für diese Dinge interessieren? Manche „bildungsnahen Fürsprecher“ fürchten sogar, dass man sie mit zu früh angebotenen MINT-Themen überfordern könnte. Zu erkennen, dass diese Lehrmittel auch nur im Ansatz was mit moderner Technik zu tun haben, geht offenbar über ihre intellektuelle Kraft? Entweder wollen sie nicht, dass die von ihnen besetzten konservativen Bildungsziele ihre Dominanz verlieren, oder sie zeigen hier ihre Unfähigkeit, die geistigen Anforderungen einer Technikgesellschaft mit ihren erstarrten Ansichten in Einklang zu bringen. Der Filz unserer hierarchischen Bürokratie macht es ihnen leicht, unerkannt zu bleiben. Man wird kaum die Macher der Fehlentwicklung benennen und verantwortlich machen können. Dennoch ist erkennbar, dass die Frage nach der richtigen Bildung von einer politischen Interessengruppe unbeantwortet bleibt, weil es ihr vielleicht nicht nur schwer fällt, sich anzupassen. In diesem Sinne ist die Arroganz der egoistischen Vernunft eine soziale Fehlhaltung, die es aufzudecken und zu kompensieren gilt.

Selbstverständlich kann man Kinder begeistern, wenn man ihnen im Zusammenhang mit neuem Lernstoff Rahmengeschichten erzählt, bei denen sie gespannt zuhören. Lässt sich immer machen. Ist auch kein neuer pädagogischer Trick, um die kleinen Racker ruhig zu halten. Und es ist schon ein Unterschied, ob man das mit dem Herzen macht oder nur aus der“Gebrauchsanleitung“ vorliest. Denn entscheidend für eine nachhaltige Wirkung ist die Qualität. Und die wird durch Lehrinhalt und Befähigung des Vortragenden bestimmt. Hier fehlt es oft an Phantasie, aber nicht bei den Kindern! Der Vortragende muss mit pädagogischer Leidenschaft sein Anliegen vermitteln. Er ist der bestimmende Faktor für ein erfolgreiches Lernen seiner anvertrauten Zuhörer. Er trägt wesentlich dazu bei, den Stoff interessant darzustellen und nicht das Vergessen zu fördern. Hier ist die Anforderung, auf die man achten sollte. Letztlich zählt eben nicht die Quantität. Und deshalb schreibe ich diesen Text.

Eine Wissensvermittlung in breiter Front ohne überzeugende Begeisterung für den Stoff bringt keine Wirkung in der Zielsetzung. Das flüchtige Demonstrieren von technischen Effekten und das wenig engagierte Erklären der Fakten stärkt eher die Langeweile der Schüler, fördert nicht die Lernbereitschaft. Und nur wer Freude und Neugier beim Lernen erlebt, vergisst die Erkenntnisse nicht.

Uralte Weisheiten, wird nun mancher einwenden. Aber dann soll er mal begründen, warum die Lehrkräfte immer noch im Hinterland ausgebildet werden. Ich kann auch nicht länger entschuldigen, dass sie für einen anspruchsvollen Sachunterricht nicht geeignet sind, weil ihnen angeblich die Kenntnisse fehlen. Ja, liebe Kritiker, dann fragt euch doch, ob auch hier nicht gilt, dass wir alle ständig dazulernen müssen. Dann sorgt doch an verantwortlichen Stellen dafür, dass nicht nur die Sachmittel modernisiert werden. Stellt meinetwegen Quereinsteiger ein, die die Anforderungen erfüllen. Ingenieure und Gebildete aus dem MINT-Bereich, die auch die pädagogischen Fähigkeiten mitbringen. Aber ohne eine adäquate Bezahlung wird das nicht gehen. Hier muss ein Umdenken passieren. Möglichst bald, bevor der Zug nach China oder Indien abgefahren ist.

Ist nun der Sachunterricht in der Grundschule ein Hauptfach oder nicht? Sollen unsere Kinder nach dem Übergang auf die weiterführenden Schulen neben Rechnen, Lesen und Schreiben auch erfahren haben, wie man im Alltag mit modernen Geräten und technischen Hilfsmitteln sachgerecht umgeht? Wer hier JA sagt, hat den Geist der Zeit verstanden. Alle anderen werden weiterwurschteln, was man leider nicht verhindern kann. Und so stellt sich auch die Frage nach einer guten Bildung in die Suche nach den Grundwerten der westlichen Welt, die bisher offenbar erfolglos war.

Wer meinen Appell verstehen will, der sehe sich auf diesen Seiten an, was ich seit zehn Jahren ehrenamtlich für die Gesellschaft getan habe.

Bernd Grupe; im März 2018

http://www.quietscheradio.de/

Werbeanzeigen

Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
Dieser Beitrag wurde unter Lyrik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s