Hat uns das wirklich gefehlt?


Die anachronistische Klientelunion hat abgewirtschaftet. Eine politische Macht von 20% des Wahlvolkes hat keine Ideen zur Zukunftsgestaltung. Der vom Katholizismus geprägten Gruppe der wohlhabenden Bürgerschaft wird die Kompetenz entzogen. Nur die alten Knochen glauben noch an Parolen, die längst begraben sind. Ihr Machtanspruch zum Eigennutz ihrer Anhänger ist längst ohne Echo im Volk. Selbst das Kramen in der Mottenkiste der völkischen Begriffe wird sie nicht vor ihrem Untergang bewahren. Wozu brauchen wir ein Ministerium für Heimat?

Und dann der viel zu spät kommende Griff nach der Anpassung an moderne Strukturen wirkt lächerlich. Wer nimmt ihnen ab, dass sie die Digitalisierung wirklich wollen? Es melden sich jetzt Figuren, die bisher Nachhilfe für die Rechtschreibung dieses Begriffes und seiner dringlichen Realisierung für Industrie und Gesellschaft brauchten. Kann man solchen rückständigen Rednern im Plenum überhaupt noch mit Vertrauen zuhören? Man erträgt es und ist längst bei anderen Überlegungen, wie man den Kompetenzschwund ausgleichen könnte. Man sucht nach neuen Experten, deren Hilfe man braucht. Aber aus der größten Oppositionspartei spielen sich leider nur die jungen Schreihälse nach vorn. Wo bleiben die Stimmen derjenigen, die eine sachliche Auseinandersetzung mit den Problemen der Zeit anregen? Gerade die jungen Menschen sollten doch am ehesten wissen, wie es in nächster Zukunft mit dem menschlichen Zusammenhalt und der wirtschaftlichen Potenz bestellt sein wird. Sie sollten sich bemerkbar machen, wenn es um die dringend notwendige Modernisierung des Systems geht. Ich vermisse ihre Stimmen in den Medien. Sind da nur die ewigen Nachquatscher der alten Gesinnung, die bestenfalls ihre eigenen Karriere im Sinn haben, wenn es um die veröffentlichte Wahrheit geht? Diejenigen, die die Schere im Kopf jahrelang praktizierten und nur das wiedergeben, was erlaubt ist, ohne die öffentliche Ruhe und Ordnung vermeintlich in Gefahr zu bringen? Und genau in dieser Situation nehmen die Naiven die einfachen Botschaften der neuen Rechten an. Man zeigt Protest in allen Lebensbereichen und glaubt an schnelle Veränderungen, die unsere Probleme lösen werden. Raus mit den Zuwanderern, den Schmarotzern, den Arbeitsverweigerern, die uns auf der Tasche liegen und nach unseren Frauen grabschen! Sind das die Überzeugungen, die eine moderne Industriegesellschaft den Lebensstandard sichern? Man muss schon sehr leichtgläubig sein, um sich von solchen Parolen und verirrten Geisteshaltungen verführen zu lassen. Leider haben die meisten ihrer Mitläufer das Lesen verlernt. Vor allem das Lesen zwischen den Zeilen der großen Bilderblätter, hinter denen man seinen klugen Kopf in der U-Bahn allmorgendlich verbergen kann. So, dass niemand sieht, was darin ist. Nämlich nichts als stumpfe Leere, die vom Druck durch die eigene Misere und von der anhaltenden Existenzangst ablenkt. HartzIV und der Verzicht aufs Eigenheim werden gerade noch ertragen. Und da soll kein Neid aufkommen, wenn einem täglich vor Augen geführt wird, wo das Geld bleibt? Und dann soll man auch noch an diese fragwürdige Gerechtigkeit glauben, die den Besitzenden eine Moral zuweist, die angeblich staatstragend sein soll. Bloß nicht am redlichen Geschäft der Banken oder Investoren zweifeln, das wird von uns verlangt. Wohin fährt der Zug? Wie lange werden wir das Warten auf eine Gesellschaft, in der es mit der Verteilung der gemeinsam erarbeiteten Güter gerecht zugeht, in der alle zufrieden sein können, noch geduldig ertragen? Die Spannungen nehmen zu. Jeder spürt die Unruhe, aber bei denen da oben ist kein Licht am Horizont zu sehen. Dunkle Zeiten, in denen wir auf etwas warten, das unsere Hoffnung erfüllen kann. Und wäre da nicht noch die äußere Bedrohung des Weltfriedens durch die überall dominierenden Potentaten, die gern am Krieg und Töten der Menschen verdienen würden. Es wäre gerade noch auszuhalten, wenn wenigstens die Kirchen sich vorrangig auf die Predigt der Nächstenliebe besinnen würden. Diese christliche Botschaft sollten sie gerade jetzt verbreiten und wieder in die Köpfe bringen. Das wäre vielleicht ein Ausweg, der ohne militärische Zwänge und Ängste auskäme. Auf lange Sicht vermutlich die einzige Garantie für den Frieden in der Welt!

berndg42; im Februar 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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Eine Antwort zu Hat uns das wirklich gefehlt?

  1. hoirenek schreibt:

    I and my friends watch the football game clips at YouTube always, since they have in fastidious quality.
    Rexuiz Shooter

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