Das haben wir nun davon


Dass diese Kultur der individuellen Bereicherung sich auf ein Ziel hin entwickelt, das niemand für möglich gehalten hat. Und das ihre Vertreter nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Doch der wache Geist sieht die Gefahr, wie sich die Unzufriedenheit im Volk steigert, bis das Fass überläuft.

Das haben wir nun davon, dass wir einer bestimmten Glaubensklientel jahrelang vertraut haben, ihre weltlichen Motive zum alltäglichen Handeln nicht hinterfragt haben. Diejenigen, die sich dadurch dicker gefressen haben und sich in ihrem geschützten Revier mit einer fragwürdigen religiösen Stütze wohlfühlen, können die Notwendigkeit eines Wandels natürlich nicht verstehen und klammern sich an die Instrumente der politischen Macht. Die Unterdrückung des Aufmuckens durch Gesetz und Recht wird noch eine Weile wirken. Aber nicht länger als sie hoffen. Zu schnell wird uns der Wandel der produktiven Wirtschaft überholen und dann wird ganz schnell deutlicher offenbar werden, wer kassiert und wer unter Mangel zu leiden hat. Die Spannungen zwischen Arm und Reich nehmen täglich zu. Die Bilder von den Tafeln lassen sich nicht so einfach vom Bildschirm wischen. Es sei denn, man unterstützt weiterhin nachhaltig die Werbebotschaften und vernachlässigt kalkuliert die Unterhaltung und Information der Zuschauer. Und wer hat das eigentlich nicht schon längst wahrgenommen? Viel zu aufdringlich werden die Abgrenzungen von Oben und Unten, die Überheblichkeit und die Verachtung, die die vermeintlich Starken uns spüren lassen. Sie brüsten sich mit der unangefochtenen Behauptung, nur sie allein könnten richtig mit Geld umgehen. Und immer fehlt es angeblich ihren Gegnern an der Weisheit und Vernunft, die Gesellschaft zu führen. Aber die Frage nach der gerechten Verteilung der Güter wird uns immer mehr beschäftigen. Da nützen auch keine Sondierungsverhandlungen, die nur eines zum Ziel haben, nämlich die Verhältnisse nicht zu verändern. Die Suggestion des sich Wohlfühlens in unserem Land, das ja so stark ist, dass keine Zweifel daran aufkommen sollten, einer erfolgreichen Zukunft entgegen zu sehen. Wir schaffen das, wird uns von da oben versichert.

Und dass uns ja niemand das Wahlvolk aufweckt! Da sind uns die fremden Zuwanderer überhaupt nicht erwünscht, denn sie bringen die Menschen dazu, ihre eigene Situation zu überdenken. Die Fremden als Gefahr für ein zunehmendes kritisches Bewusstsein ist zu groß, als dass wir es uns hier leisten können, tolerant zu sein. Abgrenzen von fremder Kultur als Mittel zur Stabilisierung des bewährten Denkens und Handelns. Abgrenzen von Bildern einer anderen Gesellschaft, die mehr Freiheit und Gleichheit versprechen. Einfach nicht filmen und nicht darüber sprechen oder schreiben. Die Angst geht um, den eigenen hohen Lebensstandard zu verlieren, etwas abgeben zu müssen. Das hat man uns nicht beigebracht. Aber die Mechanik der Realitäten wird sich um naive Befindlichkeiten nicht kümmern, es wird zu einem Crash kommen, dessen Folgen hoffentlich schnell von Gegenkräften abgemildert wird, um möglichst bald einen hinreichend stabilen Konsens zu finden. Das bedingungslose Grundeinkommen könnte vorzeitig die Spannungen abbauen. Die Diskussion über die Abgaben der Reichen sollten nicht unüberlegt als gefährliche Spinnerei abgetan werden. Es muss nicht so sein, dass das Kapital abwandert. Das neue Steuerrecht in den USA zeigt doch, wie es sein könnte. Und die Steuern würden eben doch im Land bleiben, zumindest in einem Maße, das unsere Wirtschaft nicht nachhaltig geschädigt wird. Aber es ist noch ein langer Weg zur Einsicht, denn die Mächtigen wehren sich ständig gegen Veränderungen. Warum zeigt denn eigentlich niemand mit mahnendem Finger auf diese konservative Haltung? Auf dieses sture Festhalten veralteter Weltsicht und dem Bild eines längst verbrauchten Liberalismus? Ist es nur der Geiz, der Freude macht? Oder ist es die verantwortungslose Sicherung des Besitzes um jeden Preis, die Furcht vor dem totalen Verlust? Wenn erst Maschinen den Zuwachs am wirtschaftlichen Gewinn machen werden, muss doch spätestens dann darüber nachgedacht werden, wem er gehört. Es wird höchste Zeit, dass Vorstandsmanager und Banker ein nachhaltiges soziales Gewissen entwickeln und sich nach einer neuen Moral richten. Eine neue Ethik auf der Grundlage eines starken Gemeinsinns muss her. Die Basis dieser Bewegung gibt uns das christliche Gebot der Nächstenliebe, und das ja auch meine schon lange bewusste Erkenntnis stärkt. Wir müssen uns wieder in die Augen sehen können und auch mal den Platz wechseln, wenn es eng wird. Dem Anderen den bequemen Sitz anbieten und den Weg frei machen allein für ihn, denn jeder hat eine Geste der Brüderlichkeit verdient, wenn wir alle die Gesellschaft zusammenhalten wollen.
berndg42; 20. Januar 2018

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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