Die Flucht in den Himmel


Solange die Religionen die Flucht in den Himmel anbieten, wird es auf Erden keinen sozialen Konsens geben.

Diese Erkenntnis reifte in mir über viele Jahre, bis sie zur Gewissheit wurde. Und blicke ich zurück auf mein Leben, dann musste ich als jemand, der außerhalb der Kirche stand, diese lange Zeit beobachten, wie wir politisch vom Glauben einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe geleitet wurden. Und weiß Gott nicht immer nach den Grundsätzen und Überzeugungen ihres christlichen Verständnisses vom irdischen Sein und seiner Berechtigung oder Gnade. Am schwersten zu ertragen war die täglich praktizierte Heuchelei, die nach außen durch eine fragwürdige Eintracht in gemeinsamen Zielsetzungen und eines erfolgreichen Vorbilds vorgetäuscht wurde. Hinter dem Vorhang wurde gelogen und gefeilscht. Die Durchsichtigkeit auf Wahrheiten wurde durch ein schwarzes Tuch verhängt. Der Zwiespalt der Menschen zeigte sich in allgemeiner Unzufriedenheit. Der Frust wurde durch vielerlei Feste beschwichtigt. Und im Karneval schaute man geflissentlich über kleine Sünden hinweg. Immer bestimmte die Herrschaft einer bestimmten Gruppe über die anderen das Tagesgeschehen. Und zu allem Überfluss verstanden sie sich politisch als bürgerlich. Wieder ein an sich akzeptierbares Bild des seriösen Staatsangehörigen und Mitmenschen, der seinen Pflichten lobenswert nachkommt. Dabei war es nicht leicht, die Verlogenheit sichtbar nachzuweisen.

Die Geisteshaltung in einer Transzendenz zum Jenseits wird bei den Mitläufern in der Amtskirche mehrheitlich zu einer Gesinnung, die nicht auf den sozialen Konsens ausgerichtet ist. Sie verspricht dem Einzelnen sein Glück außerhalb des Planeten. Dort oben sollt ihr euch wiederfinden, wenn ihr erfolgreich das irdische Sein hinter euch lassen werdet. Und was ihr hier vollbringt, wird ohnehin geprüft werden. Also macht ihr nichts falsch, wenn ihr euch darauf konzentriert, was euch vorgegeben wird. Und macht euch keine Sorgen, wenn ihr im Leben nicht stets den Himmel zweifelnd anblickt. Ihr seid Menschen und euch wird vergeben. Die Absolution am Sonntag befreit euch von den vielen Sünden des Alltags. Nicht mit dem Blick auf deinen Nächsten sollst du beten, aber mit dem festen Glauben an die Macht da oben.

Tja, was soll man diesen Mitläufern raten? Soll man sie einfach unbekümmert weiter so machen lassen? Soll man ihre Schwäche zum Sozialen verschweigen? Oder soll man aufklären, jeden Tag auf die Ursachen ihres fragwürdigen Glücks verweisen? Ich bin ratlos. Selbst nach meiner Einsicht und Überzeugung, die Dinge zu hinterschauen, weiß ich keine Lösung, die das Problem sofort lösen könnte. Ich bleibe aber bei meinem Aufruf, mehr Nächtenliebe zu praktizieren. Denn nur mit einer engeren Bindung zum Mitmenschen können wir stark werden. So stark, dass wir alle irdischen Konflikte vermeiden. Dass wir die Würde des Einzelnen wieder erkennen und schätzen lernen. Dass wir dem Bettler am Strassenrand unter die Arme greifen und ihn zum aufrechten Gang bewegen werden. Dass Kinder auf dieser Welt nicht an Hunger sterben müssen. Dass Flüchtende vor Krieg und Elend Unterkunft und Schutz finden. Nur die Nächstenliebe gibt uns den Mut für die Zukunft. Es wird höchste Zeit, diese Botschaft zu verbreiten.

berndg42; 4. November 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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