Luther war zu wenig!


Na schön, akzeptieren wir, dass die Menschen dem Himmel folgen sollen. Akzeptieren wir, dass sie die Erde unbewohnbar machen und sich in ihr selbst gewähltes Schicksal fügen. Akzeptieren wir, dass wir uns dem Himmel in Demut ergeben. Akzeptieren wir die Sekularität unseres Lebens und hoffen wir auf die Erlösung. Die Existenz auf diesem Planeten ist also nicht mehr als der Weg nach oben. Ist ohne primäre Bedeutung, vielleicht tatsächlich nur eine Prüfung für das ewige Leben. Und verdrängen wir jeden Zweifel an diesem Glauben, denn sonst werden wir ratlos.

Keine Frage, die Vernunft leitet uns nicht. Die Vernunft würde uns Einhalt gebieten. Einhalt, dessen Notwendigkeit für das Überleben auf Erden von den sog. Realisten als Unsinn abgetan wird. Nur der Fortschritt, was immer man uns dazu täglich erklärt, garantiert bei steigender Zunahme der Bevölkerung ein Auskommen. Und um diesen Fortschritt nicht zu gefährden, ist alles erlaubt. Nun gut, akzeptieren wir auch diese Ideologie, denn sie ist so schnell nicht aus den Köpfen der Pragmatiker zu bringen. Und auf diese hören die Menschen. Versprechen sie doch schnelle Abhilfe, die ständig zunehmenden Belastungen zu beherrschen. In den Griff kriegen, ist das Losungswort unseres Jahrhunderts. Und in den Griff kriegen die Politiker einfach alles. Doch was bleibt am Ende eines solchen radikalen Prozesses? Die Antwort wird nicht erwartet, die Frage wird einfach verdrängt. Ist das die Leitkultur der Vernunft?

Wir bekämpfen jede Form von Abweichungen, die unser westliches Weltbild stören. Der aktuelle Gegenpol ist die Radikalität der Islamisten. In ihrem Grundsatz sind sie nicht weit von unserer Haltung entfernt. In ihrer täglichen Brutalität allerdings auffälliger. Nicht die schleichende Unterwanderung durch eine falsche Ideologie der geheuchelten Barmherzigkeit, die auf die Dauer jeden sozialen Zusammenhalt zerstört, weil sie seine Notwendigkeit leugnet. Es ist derselbe Anspruch auf den Himmel, der von den radikalen Islamisten ausgeht, nämlich die Bedeutung des Lebens im Diesseits als nachrangig zu erklären. Durch die heroische Untat kommt der Attentäter in das Paradies. Ein sehr starker Glaube, der direkt und unverzögert in den Himmel führt. Vor über fünfhundert Jahren hatten die Christen ähnliche Beweggründe, die Ungläubigen zu töten. Und selbst diese lange Zeitspanne war nicht ausreichend, um eine nachhaltige Grundeinstellung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu finden. Seither ist auch nach Luther nichts wesentliches geschehen, das die Grundfesten der Amtskirche erschüttern könnte. Nämlich nicht den Durchgang durchs irdische Sein als zweitrangig zu bewerten, sondern den sozialen Zusammenhalt als primäres Ziel zu erklären, das als eine Voraussetzung für den Aufstieg in den Himmel gesehen werden sollte. Denn nur die praktizierte Nächstenliebe ist die Garantie für eine friedliche Zukunft. Und ein Gott über uns kann doch eine andere Sicht der Dinge nicht zulassen, wenn er die Menschen liebt. Warum sollte er denn sonst Gefallen finden an einem Abbild seiner selbst? Diese Logik sollte doch das Gehirn des Menschen begreifen, wenn er sich kulturell über das Tier stellt.

Vom Tier erwarten wir nur, dass es uns dienlich ist und dass es uns nicht frisst. Erkennen wir denn nicht, dass wir uns allmählich gegenseitig vernichten, was schlimmer ist als auffressen? Manche Gesprächspartner meinen, dass sowieso alles hoffnungslos sei, denn die Menschheit sei einfach unfähig, ihren Untergang aufzuhalten. Wenn es aber noch ein sinnvolles Engagement gibt, dann ist es das Eintreten für den Frieden, für die Nächstenliebe und für die Abrüstung. Und verachten wir doch die Kulturen des Bösen und die Überheblichkeit der Potentaten. Mit einer Überzeugung für eine soziale Weltgemeinschaft können wir sie bloßstellen. Sie zu bilden und zu stärken ist jetzt die wichtigste Aufgabe. Es gilt also Mehrheiten für eine neue Bewegung zu finden. Die Bewegung der Sozialisten, jenseits von Marx und Engels! Setzen wir Luthers Wirken endlich fort und konzentrieren wir uns zunächst auf das irdische Sein. Erst nach dieser Bewährung sollten wir den Himmel bitten, uns zu belohnen.

berndg42; 31. Oktober 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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