Die Familie der Zauberpilze


Als Kind träumte ich vom großen, dunklen Wald. Ich betrat eine lichte Stelle und bemerkte leises Tuscheln im Gras. Und zu meiner Überraschung bot sich mir ein Anblick des Friedens. Standen dort frische Pilze, die sich wie eine Famile zeigten. Zwei große mit prächtigen Hüten und ihre Nachkommen, die Kinder. Die Eltern wisperten in einer Sprache, die ich nie gelernt hatte. Dennoch verstand ich die Worte. Sie waren von Liebe beseelt, gaben den Kleinen Geborgenheit und Zuversicht. Aber sie sorgten sich auch zugleich. Hörte man doch aus der Ferne ein Grunzen, das nichts Gutes verheißen sollte. Für die wilden Sauen sind ja Pilze ein Leckerbissen. Und mit dem fröhlichen Dasein meiner gerada erst aus dem Boden gewachsenen Freunde war es jetzt nicht gut bestellt. Es drohte ihnen das sichere Ende. Und so dachte ich keinen Augenblick daran, sie unbeschütz ihrem Schicksal zu überlassen, stellte mich aufrecht in Positur und gab einen schrillen Pfiff von mir. Denn das Pfeifen mit zwei Fingern und der eingerollten Zunge hatte ich geübt. Nach angestrengtem Lauschen waren die Vierbeiner dann tatsächlich nicht mehr wahrnehmbar. Offensichtlich hatten sie einen anderen Weg eingeschlagen. Ich war stolz auf meine mutige Tat. Und siehe da, die Pilze dankten es mir mit leichtem Wiegen ihrer Häupter. Von nun an war mir bewusst, dass alle Lebewesen ein Herz haben, sich fürchten können und dankbar sind, wenn man sich ihnen zuwendet. Ihre Sprache verstand ich aber nie wieder so deutlich, wie bei dieser Begegnung. Und heute glaube ich an die Schöpfung, mehr denn je zuvor.

berndg42; 29. September 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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