Die lähmende Macht der Inkompetenz


Mich ärgert die Inkompetenz der meisten Politiker. Da wird oft nach vordergründigen Lösungen gesucht und es werden auch immer wieder halbfertige gefunden. Der Sachverstand bleibt ohne Wirkung, weil nicht vorhanden. Jetzt zeigt sich deutlich das Versäumnis einer guten Bildung. Der Nachwuchs an den Entscheidungsstellen in unserem Land guckte allzuoft nur aufs Handy. Eigene Bildung im Kopf blieb aus, weil ja die Bilder und die fummeligen Tasten uns beschäftigen. Ja, leider nur beschäftigen, aber keine Zeit zum Erkennen von Zusammenhängen zulassen. Keine Zeit für ein stetig fortschreitendes Durchschauen des ganzheitlichen Geschehens. Denn das ist wichtig für eine Bildung, mit der man auch verantwortlich Zielsetzungen denken kann.

In einer Zeit, in der Technik den Alltag beherrscht, ist ein Grundwissen in den MINT-Bereichen unbedingt erforderlich, um mitreden zu können. Die Kreativität wächst mit dem Wissen um die Dinge, ihre unmittelbaren Auswirkungen und im Zusammenhang auch um die Erkenntnisse in den lateralen Lebensbereichen. Ein humanistischer Geist ist heute verloren, wenn er nicht alle Annehmlichkeiten ohne Anstrengung geboten bekommt. Er braucht Fürsorge in fast allen Lebensbereichen. Er braucht Hilfe und Orientierung, wenn es um die Anwendung techischer Hilfsmittel geht. Ohne naturwissenschaftliche Kenntnisse ist er nur eingeschränkt lebensfähig, in jeder Hinsicht, mindestens für die Hälfte des Tages.

Jüngste Beispiele von falschen Einschätzungen und dem unsicheren Einlassen auf die Vorschläge der Hersteller sind in der gegenwärtigen Diskussion über den Dieselskandal vielfach zu beobachten. Hier werden unter Druck der öffentlichen Meinung Entscheidungen getroffen, die in der Sache völlig daneben liegen und eigentlich zum Aufschreien und korrigierenden Protesten führen müssten. Die Öffentlichkeit aber hat sich daran gewöhnt, unbegreifliche Statements der maßgebenden Politiker gelangweilt zu tolerieren. Ingenieure in den oberen Führungsschichten haben es fertig gebracht, ein ganzes Volk von Autofahrern gehörig über den Tisch zu ziehen. Allein hier zeigt sich die Machtstellung einer technisch gebildeten Schicht, die rücksichtslos das Unwissen der Mehrheiten ausnutzt. Wir sind den Machern in Technik und Wissenschaft ausgeliefert, wenn wir die Fähigkeit verlieren, uns in diesen Wissensbereichen selbst eine Meinung zu bilden. Aber eben zu bilden! Denn für eine solche Bildung ist es schon fast zu spät. Der Fortschrit mit der Digitalisierung geschieht vor dem Hintergrund einer breiten Unwissenheit. Daher kommen Ängste und Verunsicherungen. Regieren degeneriert zur Verwaltung von Expertengruppen.

Beispiel Dieselkrise
Die Regierung ging auf die Sparvorschläge des Herstellers ein. Dann kamen immer mehr Informationen durch den Sperrschild, die deutlich werden lassen, dass man um eine Hardwarenachrüstung nicht drumherum kommt. Also entschuldigt man sich mit dem Hinweis auf sorgfältige Prüfung der Argumente und ändert nur zögernd die Fahrtrichtung. Fazit: Mangel an eigener Entscheidungsfähigkeit.

Beispiel Energieversorgung
Die bayrische Landesregierung fürchtet sich vor dem Verlust an Stimmen und will keine Überlandleitungen, weil diese von ihren Stammwählern auf dem Lande abgelehnt werden. Sie propagiert die regionale Modernisierung der Energieversorgung durch allgemein tolerierte Güllevergasung. Eine Niord-Süd-Trasse bleibt liegen. Der Anbau von Mais wird zu einem Umweltproblem. In einem der reichsten Länder kann man sich nicht dazu entschließen, die Leitungen unter die Erde zu verlegen. Die Technologie ist da, denn Siemns hat schon einige sehr lange Strecken im Ausland mit der Hochspannungs-Gleichstrom-Versorgung unrerirdisch realisiert. Allein die Kosten machen den Politikern Kopfzerbrechen. Fazit: Keine sachgerechte Planung für unsere Zukunft in der Infrastruktur.

Beispiel Verteidigung
Da muss erst ein Trump verlangen, dass die Ausgaben angepasst werden. Aber wie wird diese Forderung umgesetzt? Dilettantisch, ist noch zurückhaltend ausgedrückt. Man will noch mehr Panzer kaufen. Als ob die Russen hier nicht schon längst uneinholbar die Übermacht haben. In unserem Land gibt es gute Ingenieure und ein eigenes Satellitensystem Galileo haben wir inzwischen auch. Das Geld ist offensichtlich im Überfluss vorhanden. Aber einen eigenen Raketenschild wird man nicht entwickeln. Da fragt man sich doch, ob der Auftrag aus dem Grundgesetz noch beachtet wird. Von einer wirksamen Verteidigung kann doch wohl nicht die Rede sein. Es gilt vermutlich die fatalistische Haltung, im Falle eines atomaren Konfliktes sowieso nichts dagegen unternehmen zu können. Es also den Großmächten zu überlassen, den nächsten Krieg zu führen. Im Falle eines Angriffs haben wir ohnehin nur noch zwanzig Minuten Zeit zum Nachdenken darüber, was unsere Politik falsch gemacht hat. Danach ist Westeuropa durch thermonukleare Raketen eingeschmolzen. Fazit: Kein Bewusstsein über die wirklich notwendigen technischen Anforderungen zu unserer Verteidigung. Was machen eigentlich tausende Mitarbeiter im Ministerium? Mangel an Sachkenntnis führt zum Verwalten und Aussitzen der Probleme.

Beispiel Atomausstieg
Ich kann mich noch daran erinnern, als ich zu meiner Schulzeit von den Wundertechniken der Kernkraft hörte. Die Euphorie war groß, der Weitblick fehlte. Man könnte das noch entschuldigen, denn es war eine Aufbruchstimmung, die kritisches Hinterfragen verhinderte. Inzwischen sind einige Supergaus passiert. Und es ging eine Erleichterung von der Entscheidung aus, den Abbau einzuleiten. Heute aber wollen manche davon nichts mehr wissen und pochen auf die Erhaltung der anderen schädlichen Kategorie der Energieerzeugung, den Braunkohlekraftwerken. Manchmal hat man das lehrbuchhafte Bild einer konservativen Gesellschaft vor Augen, wenn alle guten Ansätze fortschrittlicher Technologien nach kurzer Zeit ausgebremst werden. Mit einem Nachwuchs, der hypnotisiert aufs Handy starrt und einer mächtigen Gruppe überalteter Politiker in den Parlamenten auf der konservativen Seite, kann man sich diese fatalen Fehler leicht erklären. Es muss nur noch der Blick auf diese Missstände deutlicher herausgestellt werden. Aber dazu bedarf es der Hilfe der Medienmacher. Sind die nicht auch infiziert vom Virus der Unsicherheit?

Fazit: Nachhaltiger Fortschritt wird angeblich nach den Mechansimen des Bewährten gestaltet. Tatsächlich aber fehlt es an Kenntnissen, die für Visionen begeistern könnten, die die Dinge vorantreiben würden. Stillstand ist kein Konzept!

berndg42; 18. September 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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