RATLOS!


Bin ratlos. Was kann man tun, um zu verhindern, dass die CSU den Innenminister stellt? Brauchen die Leute, denen es ja vermeintlich an nichts fehlt, wirklich jemanden, der ihnen Tag und Nacht feundlich lächelnd zusichert, dass man sie mit aller Kraft vor dem Verlust von Besitz und Reichtum schützt? Und Freiheiten mit Kapitaleinsatz nach Belieben? Was kostet ein guter Anwalt? …kann ich mir leisten! Also ran an den Speck!

Mir graust es vor einer Lebenswirklichkeit, die von den Abgehobenen gestaltet wird. Und diese zwanzig Prozent der Stimmengeber haben es in der Hand. Je länger sie das Zepter führen, desto stabiler wird die Erstarrung in bürgerlichem Wohlstand und gekaufter Meinungsmache. Hauptsache die Ärzte funktionieren, denn dann lohnt sich das Zurücklehen im Sessel, der mit Damast bezogen ist. Man gönnt sich ja sonst nichts! Also her mit der Maut. Dann wird endlich auch die linke Spur wieder befahrbar. Wer macht denn die Straßen kaputt? Weg mit den vielen lahmarschigen Kleinwagen, die eine Zumutung für den zügigen Verkehr sind, der uns zusteht! Die sollten sich einen Weg durch die langweiligen Felder und Wiesen suchen, um ihre Oma zu besuchen. Dieses ständige Umherfahren ist ohnehin ein Anspruch, der den kleinen Leuten nicht zusteht. Die leisten ja nichts, sind eigentlich systemschädigend und zerstören fortlaufend ihre eigene Umwelt. Mobiltät auf Krankenschein und besonderer Zulassung, das sollte man einführen. Denn nur so kriegen wir die Probleme vom Tisch. Kaum noch Baustellen und kurze Fahrzeiten. Das käme auch unseren bediensteten Fahrern zugute. Sage niemand, dass wir nicht sozial sind. Wir kennen die Sorgen der Mitbürger.

Ich will hier nicht die Zerrbilder des Kapitalismus und das Gejammer der Sozialisten verbreiten. In Wahrheit geht es doch um Schwächen der Erkenntnis, um die beklagenswerte Ohnmacht der Führenden und ihren Instrumenten, den Verwaltungen mit einer anachronistischen Bürokratie. Die Mächtigen verfallen in konservativer Resignation. Sie verstehen die Vorgänge der Gegenwart und die Folgen auf die Zukunft nicht. Sie verharren im Bewahren eines verkrusteten Systems, in dem weiterhin die bewährten Mechanismen der Vergangenheit gelten sollen: „Maß und Mitte“. Diese passen aber nicht zur Dynamik der Zukunft. Die ist bereits weit weg von historischen Bildern einer gesättigten Wohlstandsgesellschaft mit den Schranken der Abgrenzung zwischen Oben und Unten. Die Digitalisierung und der Zugang zur öffentlichen Meinungsäußerung, wie sie ja aus der Sicht konservativer Kräfte bedauerlicherweise im Grundgesetzt garantiert wird, stören die Erstarrung eines scheinbaren Gleichgewichts der Zufriedenheit. Aber diese Möglichkeiten der Kommunikation breiter Schichten führt zu einem indifferenten Zustand. Schon morgen kann die politische Macht nach rechts oder links abrutschen.

Und hat sich mal unter den im Licht der Öffentlichkeit stehenden Bewerbern um das höchste politische Amt im Staat dazu geäußert? Leider nicht, habe da gestern im TV nichts darüber gehört. Man kann beobachten, dass fast alle sich nur noch um die Sicherung von Macht, Geld und Einfluss kümmern. Weltweit sind die Grundelemente des kapitalistischen Westens deutlicher als je zuvor wahrnehmbar. Die Gier, der Egoismus und die Fremdenfeindlichkeit grinsen hinter jeder Schlagzeile. In unseren Alltag schleichen sich zunehmend Frust und Resignation, eine diffuse Angst vor dem Zusammenbruch. Mancher trinkt ein Bier über den Durst, andere schweigen vor sich hin. Und alle gehen wählen. Und oft unentschlossen und in Ratlosigkeit. Wollen aber auch nicht verantwortlich sein für das Betreiben der da oben. Und vielleicht auch deshalb das Festhalten an Gewohnheiten. Nicht fähig, mal wach zu werden, sich einen Ruck zu geben und sich bewusst für eine selbst gewählte Richtung zu entscheiden. Mache ich doch einfach mein Kreuz. Egal wohin, es wird sich ja doch nichts ändern. Tja, schade, dass es soweit kommen konnte.
Ich bleibe weiterhin ratlos…

berndg42; 4. September 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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