Nach dem Gipfel


Das Gezänk um die sog. Sicherheit der Bürger kann man ja kaum noch ertragen. Was ist denn substanziell zu beklagen? Da gab es friedliche Sitzblockaden. Da gab es mindestens drei Scheiterhaufen, die brannten. Da gab es Polizisten, die verletzt wurden. Da gab es gefilmte Terroristen, die brennende Flüssigkeiten auf die Polizei warfen und die auch mit Steinewerfen von einem Haus herunter ihren Hass freien Lauf ließen. Und da gab es ein Abstimmungsergebnis des teuren Treffens der Mächtigen, das nicht der Rede wert ist.

Und da gab es eine ganze Menge Bürger, die gafften und die nur darauf warteten, dass etwas passiert. Diese braven Hamburger verdienen keinen polizeilichen Schutz. Und den Mangel an Sicherheit beklagen nur diejenigen, die ihr Auto vor der Tür abgestellt hatten, die keine Vorsorge gegen Plünderung unternommen hatten. Ich will ihnen das nicht zum Vorwurf machen, aber man muss schon naiv genug sein, um sich so sorglos zu verhalten, wenn man dort wohnt. Und wo waren diejenigen, die sich um ihr angekratztes Sicherheitsemfinden sorgen? Die nun aufschreien, wenn es zu spät ist, bessere Maßnahmen zur Verhinderung solcher Auseinandersetzungen rechtzeitig vorzuschlagen und zu realisieren. Diese Wortführer machen doch jetzt nichts anderes als ihre politischen Meinungen lauthals kundzutun. Ein tolles Engagement, das zum Wohle aller und der Zufriedenheit mit den Verhältnissen in unserem Land dienen soll. Noch mehr Polizei und noch mehr Gesetze, die die lückenlose Überwachung des schweigenden Bürgers garantieren. Er wird das akzeptierern und uns seine Stimme geben. So das Kalkül.

Die Polizeikräfte haben das getan, was man ihnen sagte. Und hätte man schon am ersten Tag nach der Verweigerung die Masken abzulegen, mehr Hundertschaften zur rechten Zeit am rechten Ort gehabt, wäre mindestens der hartnäckige Kern nicht über die Zäune gekommen. Hätte man sie gleich festgenommen und vorübergehend eingesperrt, wäre das ein Warnsignal für die übrigen Krawallmacher gewesen.

Hinterher ist man immer klüger, kann man einwenden. Aber man hat doch gewusst, wie sich die Sache abspielen wird. Und solch einen Fehler der Einsatzleitung kann man doch nicht dem Bürgermeister anlasten! Wo leben wir denn in diesem Rechtstaat? Spätestens hier kommt mir der Verdacht des Rufmords in den Sinn.

„Alles, was links denkt, muss raus!“ Dieser neue Schlachtruf wird arrogant verbreitet. Was soll diese Hetze gegen eine politische Minderheit? Unser Land gehört den Wählern der Union nicht allein! Leider erhalten sie wahrscheinlich noch Zulauf von Rechts. Wehret den Anfängen! Diese konservative Gruppe mit einem Wahlergebnis von 35% meint ja seit Jahren, dass nur sie uns politisch führen und unsere Sicherheit gewähren können. Dabei sind sie doch auch nur eine Option unter den demokratischen Parteien. Vielen Mitbürgern ist leider nicht bewusst, dass sie gerade mal 20% aller Wahlberechtigten vertreten, aber ziemlich intolerant erwarten, dass wir unser Leben nach ihren Vorstellungen ausrichten sollen. Oder steckt dahinter vielleicht noch eine andere Zielsetzung? Man hat manchmal den Eindruck, dass es ihnen vor allem um die Erhaltung von Besitztum und eigennütziger Bewegunsgspielräume geht, die für unerwünschte Gruppen der Gesellschaft unzugänglich bleiben sollen. Diese etablierte Klientel schottet sich gern ab von den Ansprüchen einer Mehrheit, die z.B. auch nach Bildung verlangt. Das Studieren an den Hochschulen soll man sich teuer erkaufen. Die sozialen Hilfen für fremde Zuwanderer werden vehement abgelehnt, obwohl genügend Mittel im Überfluss vorhanden sind. Und obendrein halten sie sich selbst für eine christlich motivierte gesellschaftliche Kraft, ja sogar ohne Skrupel für eine Volkspartei. Spätestens hier sollte man hinterfragen und die eigene Wahrnehmung von Scheinargumenten befreien. Heuchelei gibt es in aller Welt genug. Die erleben wir täglich durch die Lügenwerbung mit Musik und anderen Events aus dem Märchenbuch für erwachsene Konsumenten.

Gut, dass es die Medien gibt. Ich habe einige Stunden vor dem TV gesessen und konnte mit eigenen Augen sehen, was geschah. Und auch ohne rechte Brille gab es manches am Verhalten der Demonstranten zu beklagen. Dennoch wurde ich davon überzeugt, dass mehrheitlich ein friedvolles Protestieren gewollt war. Und wie ist das denn in einer TV-Gesellschaft? Singende Nonnen nimmt niemand ernst. Solche Bilder würden auch nicht ausgestrahlt, denn die Einschaltquoten blieben gering. Der Zuschauer – und das sind wir alle – erwartet Spektakuläres. Insofern vermisse ich ein Lob von oberster Stelle für diejenigen Bürger, die sich an die Regeln hielten. Und wo bleiben die Diskussionen über deren Anliegen? Offenbar interessiert man sich öffentlich nicht für eine geistige Auseinandersetzung mit Andersdenkenden. In den Talkshows sieht man stets dieselben Gesichter. Professionelle Wortlieferanten, die dafür bezahlt werden, die jedem Zuschauer bekannten Klischees immer wieder von sich zu geben. Das Land ist gespalten. In die Lager derjenigen, die etabliert einer Illusion nachgehen, Angst um ihren Wohlstand haben, und denjenigen, die mitreden wollen.

Jedenfalls ist in diesen Tagen vor der großen Wahl nicht mehr das lähmende Einschläfern das Konzept der Macher. Man kann darauf hoffen, dass die Wahlbeteiligung nicht zu gering sein wird. Und dann haben auch andere Parteien eine Chance, unsere Gesellschaft mit gutem Gewissen ebenso fähig und engagiert in die Zukunft zu führen.

berndg42; im Juli 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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