Wo ist die Poesie im Kosmos?


Wer sich langweilt, stellt zuweilen seltsame Fragen. Wenn ich mir die Bilder aus dem Universum ansehe, so stelle ich fest, dass die materiellen Gebilde nicht besonders schön gestaltet sind. Die Materie ist oft zerfetzt oder in mathematischen Formen zu sehen. Die großen Gaswolken haben bizarre Auswüchse, die Galaxien sind fransige Spiralgebilde. Alles nicht sehr ästhetisch. Also keine Poesie im All, das ist meine Erkenntnis.

Die Materie ist so gesehen anödend in ihrer gesamten Erscheinung. Und weshalb soll ich deshalb akzeptieren, dass das alles ist, was unsere Welt ausmacht? Ich kann es nicht. Denn ich habe erfahren, dass es Schönheit gibt, die mich anspricht. Die mich mit Seeligkeit erfüllt. Schönheit in Bildern und Worten, die ich ganz anders verstehe als mit den Gesetzen der Physik oder den Formeln der Mathematik, weil sie aus Erinnerungen kommt, die ich mein Leben nenne. Hier erkenne ich Unterschiede in der zeitlichen Begrenzung meines Seins. Und das gibt mir Rätsel auf. Ist es denn wirklich so, dass wir Menschen hinter die Dinge sehen können? Dass wir eine Wirklichkeit wahrnehmen, die viel viel schöner sein kann, als alle sichtbare Materie im Kosmos?

Nun meinen manche, dass wir sie in virtuellen Welten erleben. Und dass es keine verbindliche Übereinstimmung in der Wahrnehmung einzelner Individuen gibt. Dass jeder für sich eine ganz spezifische Erkenntnis von Welt hat, die sich aber unscharf darstellt und in etwa gleich ist. So also verstehen wir uns untereinander, weil wir nur ähnliche Bilder im Kopf haben, die aber niemals deckungsgleich sind. Insofern gibt es also nicht einmal die Welt als objektive Hoffnung auf Wahrheit. Wir bewegen uns täglich in einem Kompromiss und orientieren uns daran, uns nicht daran zu zerreiben. Welch eine unsichere Existenz! Es wundert mich nicht, wenn die Menschen nach einer Verankerung suchen.

Die Religionen bieten Geborgenheit in Modellen der Zuversicht und des Trostes. Die Hoffnung auf ein Jenseits in der Vollkommenheit aller Erkenntnisse gibt ihnen die Kraft auf Erden. Allein ist es den meisten Gläubigen zu anstrengend, diesen Weg zu gehen. Sie schließen sich zusammen und wollen missionieren. Im gemeinsamen Gesang finden sie den Beistand und die Hoffnung auf Erlösung.

Gestört wird diese Lebensweise leider von unseren Schwächen. Von der Gier, dem Egoismus und dem Streben nach Macht. Negative Kräfte einer Gesellschaftsform, die sich scheinbar bewährt haben. Sie allein erhalten den Frieden durch Ängste. Angst vor der kriegerischen Auseinandersetzung, vor dem Verlust der finanziell gesicherten Existenz, Angst vor Vereinsamung, Krankheit und Hilflosigkeit. Auch die Angst vor dem Altern bringt die Menschen dazu, den Verführungen einer auf Jugendlichkeit und vitalen Flexibilät ausgerichteten Zielsetzung des Alltags nachzugeben. Die Verfürer sind überall, aber geduldet. Sie werden bewusst oder im Gruppenwahn verdrängt und als schicksalhafte Notwendigkeiten hingenommen. Das eigentlich deprimierende System wird als normal empfunden. Würde man es abrupt ändern, wären die Leitfiguren, die es ausfüllen, vielleicht ganz schnell verloren und vom Untergang bedroht. Eine Änderung der Zustände ist also mit einer Verantworung vebunden, die vorsätzlich niemand auf sich nehmen will.
Dennoch könnte man mehr tun für die Hungernden auf einem Kontinent, der nur wenige Flugstunden neben dem Urlaubsort liegt. Was tun die Medien? Kann man mit dem Thema kein Geld machen?

Soweit zum Sozialen. Aber auch wenn ich die Unzählbarkeit der Sterne und Galaxien bewundern sollte, würde ich daran kein Interesse haben. Ebenso könnte ich alle Sandkörner der Erde oder alle Elektronen, an den Atomen gebunden oder ungebunden zählen wollen. Sinnlose Aktionen, für die ich mich nicht einspannen ließe. Jedoch ein Blick in einen Wasserfloh oder in eine lebende Zelle ist viel spannender. Der Mikrokosmos birgt mehr Unentdecktes als alles, was uns das Licht aus dem All anbietet. Und so sind das Geheimnis des Lebens und die Evolution zum perfekten Wesen ebenbürtige Phänomene, für die sich jeder Einsatz lohnt, sie umfassend zu erforschen.

Aber Schönheit? Ist sie denn hier vielleicht zu finden? Abgesehen von symmetrischen Strukturen von organischen Molekülen und höheren Lebensformen ist doch alles auf Optimierung im Hinblick auf das Überleben ausgerichtet. Kampf im Sinne der Evolution. Das egoistische Gen, das sich selbst vervollkommnen will. Ist das die Erkenntnis, nach der ich suche? Ich stelle wieder fest, dass das geistige Bedürfnis nach Antworten, die nicht das Materielle betreffen, offenbar in dieser Welt keine Bedeutung hat.

Nein, es bieten auch diese Einblicke in den Mikrokosmos, die vom Virus bis zum Dinosaurier reichen, keine befriedigende Lösung meines Problems.

Ich suche nach dem Sinn des Ganzen und seiner Selbstdarstellung, die Offenbarung. So würden die christlich Gebildeten sagen. Aber warum nur diese? Als einfacher Mensch kann ich doch auch denken. Und gerade in unseren wirren Zeiten mit vielen Belastungen von Leib und Seele sind doch Fragen erlaubt, und selbstverständlich als etwas Natürliches. Ich will wissen, wo ich stehe. Wo mein Platz ist in diesem Sein. Und warum ich das alles denken kann. Und warum es mich beschäftigt, auch wenn ich nicht mit allen Freunden darüber rede. Die allermeisten gehen blind daher. Sind nicht empfänglich für scheinbar Nutzloses. Aber erwarten Übereinstimmung und Verbidlichkeiten. Dabei leben sie doch in derselben Welt, eben nur nicht mitteilsam. Oder sie teilen ihre Zweifel nicht mit jedem und wenden sich an eine überirdische Macht, der sie vertrauen. Kirche macht einsam, weil sie uns das Denken abnimmt.

Was ist denn nun das Besondere am Menschen, der gelernt hat, den eigenen Kopf zu fragen? Was ist seine Rolle zwischen der Materie und dem Geist? Wo steht er und wo sollte er hinschauen, um sich zu orientieren? Seinen Platz zu erkennen und seine begrenzten Möglichkeiten, den Weg zum Paradies zu finden?

Wie es scheint, sind die Probleme der Übervölkerung vielleicht doch die treibende Kraft, die den fragwürdigen Fortschritt in unserer Zeit bestimmt. Uns bleibt kaum noch Gelegenheit für ein kluges Handeln, um die Apokalypse zu verhindern. Steven Hawking gibt uns noch einhundert Jahre. Danach wird die Spezies Mensch gewesen sein.

Wir sollten endlich aufwachen und uns einen Augenblick der Kontemplation nehmen, um nachzudenken, um Lösungen zu finden. Meine Frage von Schönheit in den Welten will ich gern zurückstellen. Ich entbehre dabei nur den Luxus des satten Bürgers. Selbstverständlich kommt zuerst das Fressen, dann die Moral. Leider immer wieder für die Falschen. Und was sind die Schlagzeilen des Tages? Nicht ein Wort über den Hunger, über das Sterben der Kinder! Was wichtig ist, wird nicht von uns bestimmt, wird nicht von mir als dem einzelnen, ohnmächtigen Mitbürger bestimmt. Da ist die allgegenwärtige Lethargie des Geistes, die himmelschreiende Unbarmherzigkeit und der verlogene Egoismus unserer Zeit. Und das sollten wir ändern!

berndg42, 12. Juni 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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