Was sind Wortfäden?


Vorweg: Ich habe keine Sprachwissenschaft studiert! Ich möchte jedoch hier erklären, wie ich meinen Text schreibe und warum ich ihn „Wortfaden“ nenne.

Wenn man Gedichte schreibt, ist oft das gekonnt angebotene Versmaß ein Merkmal der persönlichen Kunst. Und natürlich erwarten die meisten Leser einen Reim. Manchmal lässt es sich dann nicht vermeiden, dass der Eindruck von zwangsweise gefundenen Formulierungen entsteht. Spätestens hier erkenne ich keinen Nutzen der traditionellen Schreibkünste. Und so suchte ich bald nach Möglichkeiten, den einzelnen Wörtern oder ganzen Passagen eines Textes eine besondere Bedeutung mitzugeben. Eine formale Stellung im Textblock, die dem Geschriebenen eine Gewichtung verleiht, die ich anders nicht zu vermitteln weiß. So setze ich oft sogar einzelne Wörter allein auf eine Zeile, wenn ich ihre Wirkung verstärken möchte.

In meiner Lyrik, sofern der Leser sie als Texte dieser Kategorie zuordnen möchte, beachte ich kaum die Interpunktion. Diese Zeichen setze ich nur in Ausnahmefällen, wenn ich Mehrdeutigkeiten des Inhalts vermeiden möchte.

Meine Dynamik der Bilder entsteht durch die Anordnung und Zuweisung von nicht zu langen Textzeilen, die ich untereinander schreibe. Gefolgt von einem Absatz, wenn ich einen Gedanken abgeschlossen habe. Es soll aber damit keine kalligrafische Poesie entstehen. Wenn doch, dann zufällig und unbeabsichtigt.

In manchem Zeilen kann durchaus langweiliger Fülltext stehen. Umso eindringlicher möchte ich eine darauf folgende Zeile mit schwergewichtigen Wörtern oder Wortlaut anbieten. Das führt zuweilen zu der unangenehmen Wirkung einer aufdringlich gewollten Unterbrechung des gewohnten Leseflusses. Manchem Leser mag das nicht gefallen. Und so haben sich schon einige Kritiker dagegen geäußert.

Ich habe herausgefunden, dass man einen Inhalt zwar in gut verfasster Prosa ganz brauchbar an den Leser bringen kann, jedoch die Versform hier einige Vorteile mehr bietet, wenn es um das Herausstellen eines Gedankens bzw. eines Gedankenflusses geht. Den Text nach Bildern im Kopf zu transformieren, gelingt viel wirkungsvoller in kleinen Einheiten, die jede für sich etwas auslöst. Es entsteht eine Kette von Wortbildern und Worterlebnissen, die nacheinander gelesen zu einem Gesamtbild führen, das ich beschreiben wollte. Der Text wird zum Film.

Nach dem Höhepunkt des Geschehens versuche ich das Leseerlebnis in eine ruhigere Bahn zu lenken. Und man wird bemerken, dass ich stets bemüht bin, einen friedvollen Abschluss eines Gedichtes zu finden. Meine Gedichte sind so die Folge von vielen Bildern, die alle zusammen das Werk im Kopf begreiflich machen. Und weil ich sie wie an einem Faden aufreihe, nenne ich sie Wortfäden.

Nun mag man einwenden, dass sich diese Schreibweise genau genommen keiner bekannten Literaturform einordnen läßt. Es mag so sein, aber ich erhebe insofern auch nicht den Anspruch, lyrische Gedichte zu schreiben. Manchmal weise ich ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dem Text nicht um ein Gedicht in der traditionellen Form handelt.

Letztlich kommt es mir darauf an, eine möglichst dichte Darstellung meiner Gedanken zu vermitteln. Und bisher scheint mir meine Sammlung der Wortfäden nicht ein gescheitertes Experiment zu sein. Ich lerne beim Schreiben täglich dazu.

berndg42; im Juni 2017

Advertisements

Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
Dieser Beitrag wurde unter Lyrik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s