Wählerwille?


Was ist los in unserem Land? Da wird nach einer Wahl gleich nach Schließung der Wahllokale die Prognose als Ergebnis gehandelt. Als ob die Treffsicherheit dieser Befragungen als voraussagende Bestätigung der Wahl rechtliche Geltung hat. Da wird nach länger als einer Stunde immer noch nicht berichtet, wie hoch denn die Wahlbeteiligung war. Und die anschließend zur Schau gestellten Hochrechnungen sollen die Prognose validieren.

Ja, warum wählen wir eigentlich, wenn die Medien so verlässliche Zahlen schon vorweg präsentieren können? Überlassen wir es zukünftig doch den jeweiligen Befragungsunternehmen, die Wahlen zu entscheiden. Jedenfalls hat man den Eindruck, dass diese glaubwürdiger sein können als ein amtliches Ergebnis durch die Auslesung der Zettel. Die Mediengesellschaft gibt sich doch offensichtlich mit den Prognosen zufrieden. Weshalb dann der ganze Aufwand?

Es macht einfach keinen Sinn mehr, demokratische Abstimmungen über langwierige Prozeduren durchzuführen, hat es den Anschein. Es genügen ja Befragungen nach der Stichprobenmethode, um festzustellen, was des Wählers Wille ist.

Und was erklärt die Neigung der Wähler in Frankreich, im zweiten Durchgang nicht zur Wahl zu gehen? Genügt ihnen allein die Vision, dass ein jugendlicher Bewerber in unserer verführten und oft betrogenen Gesellschaft(Steuerflucht) eine bessere Chance hat als die herkömmlichen Protagonisten? Jugendlichkeit zählt. Ist sie der Ersatz eines besseren Qualitätsmerkmals für eine fortschrittliche Politik in der Zukunft?

Was ist los überall?
Sind es denn immer wieder nur die klugen Begünstigten einer Interessengemeinschft, die eigentlich mit ihrer Minderheit die Mehrheit der unmündigen Wahlbürger bevormunden, welche offensichtlich zu faul sind, die Wahllokale aufzusuchen? Man sollte eine Wahlpflicht einführen. Dann könnten die gleichgültigen Gelangweilten wenigstens nachweisen, dass sie beteiligt waren. Denn ohne Beteilung hat niemand das Recht auf die Durchsetzung seiner eigenen Vorstellungen. Und immer wieder sind es die Dummen, die stets jammern, wenn es ihnen nicht so gut geht wie erwartet, wenn sie nach kritischen Prüfungen der tatsächlichen Verhältnisse ihren Anspruch auf Gerechtigkeit geltend machen. Warum wählen sie nicht rechtzeitig ihre Vertreter?

Eine Antwort ist sicherlich richtig: Es fehlt ihnen an Aufklärung und Bildung.

Mehrheit ist Mehrheit! Die rechnerische Mehrheit des Gewinners ist 4 % bis 5%. Bei einer Wahlbeteiligung von 64% sind das 3% aller stimmberechtigten Bürger.

Und diese verschwindende Überzahl soll den Wählerwillen darstellen?

Ich frage mich, wofür ich Gebühren zahlen soll, wenn ich dieses Geschwätz von Kommentatoren im TV höre. Verantwortlicher Journalismus geht anders! Und der Wählerwille ist die Sehsucht nach Ruhe im Karton. Ist der ältere Bürger bereits dadurch überfordert, dass er alle Jahre ein neues Handy bedienen lernen muss, so hat er doch immerhin seinen Nachwuchs gut erzogen. Und es waren vor allem die über 60ig-Jährigen, die nicht mehr bereit sind, sich auf einen unbekannten Fortschritt einzulassen.

Die konservative Gesinnung stirbt nicht aus. Wer das erhofft, muss sich selbst erst einmal „modernisieren“. Welcher junge Mensch möchte gern als Genosse angesprochen werden? Wenn die Bekenner der roten Fahne endlich mal begreifen würden, was sie hier falsch machen. Dass sich der jugendliche Habitus behauptet, sollten alle wahrnehmen, die nicht blind sind für die Zeichen der Zeit. Und wenn nun mal immer noch die Betonköpfe auf dem Land mehrheitlich zur Wahl gehen, wird sich das traditionelle Abstimmungsergebnis vielleicht nur sehr langsam ändern.

Politik ist ein schmutziges Geschäft. An dieser Meinung haben viele gebastelt. Und tatsächlich ist ja politisches Handeln der Versuch, mit den Mitteln der gesetzgeberischen Macht seinen Anteil am Bruttosozialprodukt zu sichern. Je nach Egoismus und Gier mehr oder weniger beflissen.

Und nichts ist wirksamer zur Bekämpfung der politischen Bevormundung als Bildung. Als die Fähigkeit, die scheinheilige Welt der Herrschenden zu hinterfragen und ihre Absichten und Machenschaften aufzudecken. Und ist vielleicht deshalb der Widerstand der bestimmenden Clientel so wirksam, weil sie es versteht, ihr wahres Gesicht erfolgreich vor der öffentlichen Wahrnehmung zu verstecken? Man kann unvoreingenommen beobachten, dass Bildung in den Schulen nur langsam bei den unteren Schichten ankommt. Dass man mit einer „konservativen“ Politik hier jeglichen Fortschritt verzögert und behindert, aber den eigenen Nachwuchs abgesichert zum Abitur und Studium bringt.

Die seit vielen Jahren geübte Heuchelei wird auch nicht erträglicher, wenn man sie mit christlicher Nachsicht duldet. Sie bleibt unehrliches Handeln zum eigenen Vorteil und Bevormundung der Benachteiligten in unserer Gemeinschaft. Eine Abstimmungsmehrheit von 30% der dominanten Partei bildet die Regierung und hat das Sagen über die ganze Bevölkerung. Und 30% mal 60% ergibt gerade mal 18% aller berechtigten Wähler, nach deren Leitlinien und Vorgaben alle im Alltag leben müssen. Also etwa 20% (ein Fünftel!) bestimmen über den Lebensstandard aller Menschen im Land. Leider ist das ein Nachteil der Demokratie, über den man nicht gern spricht. Und noch größer ist der Ärger, wenn das Wählerverhalten auch noch von den Medien beinflusst wird. Die Cleveren werden zukünftig immer wieder einen Weg finden, ihren Willen durchsetzen. Die Verführten und Dummen sind diesem Mechanismus scheinbar hilflos ausgeliefert.

Fazit:
Nur eine bessere Bildung könnte bewirken, den Missstand zu ändern!

Der Wählerwille ist bestenfalls der Auftrag an die Politik, sich zu einigen und im gemeinsamen Handeln das Beste für das Landund und seine Menschen zu gestalten.

berndg42; 8. Mai 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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