Leitkultur?


In der Zeit der spontanen Zuwanderung der Flüchtlinge hatte sich die „Leitkultur“ in unserem Land und in Europa sehr deutlich gezeigt:

Egoismus, christliche Heuchelei einer fragwürdig brüderlichen Nächstenliebe, ja Fremdenhass haben die maßgebenden Führer gezeigt. Für Augenblicke des blanken Hassens waren in ihrer kleinbürgerlichen Intoleranz viele Politiker in Europa sich darüber einig, dass man die Grenzen schnell dicht machen sollte. Das zeigte mir ein Bild des wahren Gesichtes der Vertreter einer „Leitkultur“, die nun wieder eine Festigung im Bewusstsein des Vokes erfahren soll.

Es scheint so, als ob dieser Tatbestand von offizieller Seite schnell vergessen wurde. Gar nicht erst bewusst wurde, denn das sollte ja nicht sein. Und nun wird versucht, ein idealisiertes Bild einer „Leitkultur“ durchzusetzen, die dem Verhalten unter der Prüfung im Herbst 2015 überhaupt nicht entspricht. Was soll das?

Bis heute sind die Staaten Europas nicht bereit, Flüchtlinge gerecht verteilt aufzunehmen. Nach einigen Attentaten von religiösen Extremisten wird versucht, die Bevölkerung so zu verängstigen, dass der Regulierungsapparat möglichst gut gewappnet ausgebaut wird und als Instrument der Macht bereit steht, wenn es zu einer Krise der politischen Spannungen kommt. Arm gegen Reich, Establishment gegen den unaufgeklärten Wähler. Die Nationalisten sehen ihre Chancen. Und sie setzen Zeichen des Horrors, wenn man den Blick auf die vielen Attentate der neuen Nazis lenkt, die fast unbeachtet vom Staatsschutz ihre Spielchen treiben dürfen.

Mir fehlt es an geistigen Führern, die diesem Missstand entgegenwirken könnten. Die aktuell agierenden Amtsinhaber überzeugen mich nicht. Tatsächlich brauchen wir eine Erneuerung des gesellschaftlichen Bewusstseins, das auf Brüderlichkeit setzt und den sozialen Zusammenhalt festigt. Wir driften offenbar auseinander, wenn wir versuchen einen erträglichen Konsens zu finden. Jeder meint seinen Anspruch auf soziale und juristische Standpunkte durchsetzen zu dürfen. Grenzenloser Widerspruch und kleinmütige Toleranz sind nicht die Mittel der Konfliktlösung. Ich vermisse eine deutlichere Beteilgung der Kirchen an diesem Thema. Der Papst steht hier oft allein im Regen.

In der öffentlichen Diskussion ist zunächst mal das Schreckgespenst von Multikulti völlig überflüssig. Ein schwammiger Begriff, mit dem man nicht weiterkommt, der nur scheinbar unterschiedliche Sachargumente darzustellen versucht. Die Richtschnur des Zusammenlebens bleibe die Verfassung, hebt man den Zeigefinger. Ich glaube nicht, dass Zuwanderer am Grundgesetz vorsätzlich etwas verändern wollen. Virtuelle Ängste lassen sich viele erfinden. Immer im Blick auf die eigenen Interessen. Und wo und wann endlich werden denn die vielen freiwilligen Helfer aufs öffentliche Podium gehoben? Wo bleiben die nachhaltigen Bilder eines vorbildlichen Verhaltens und Praktizierens der Integration durch diese ehrenamtlichen Mitbürger? Hier und da mal ein Bericht im TV. Na schön. Und manchmal auch kurze Worte der Anerkennung von oben, aber mit deutlicher Geste auf ein vielleicht sogar unerwünschtes Mitmachen. Da gibt es ungelernte „Deutschlehrer“, die den Flüchtlingen bei sprachlichen Problemen helfen. Die bekannten Organisationen besinnen sich nun auf ihre Pflicht, diese zu schulen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, hier unter ihrer Obhut „Dilettanten“ zu beschäftigen. Man bietet ihnen die Teilnahme an „Ausbildungskursen“ an, die von studierten Kräften mit staatlich geprüfter Qualifikation abgehalten werden. Man traut ihnen nicht zu, die „Erste Hilfe“ beim Deutschlernen richtig anzuwenden. Das ist ein Ausdruck unserer Behörden-Kultur, die auf strenge Regelungen besteht. Der Typ des treuen Untertanen nimmt solche anachronistischen „Leitbilder“ einfach gelassen hin. Außenstehende würden das vielleicht nicht ertragen. Geben wir hier nicht bereits Einblicke in unsere immer noch obrigkeitshörige „Leitkultur“? Bleibt hier nicht die freie Entscheidung des demokratischen Wählers und Mitbürgers, der eigentlich nur helfen möchte, immer wieder auf der Strecke? Geht es bei uns nicht und niemals ohne bürokratische Macht? Wo ist das Vertrauen des Staates zum Können und aufrichtigem Engagement seines Bürgers? Wenn man dem nicht glaubt, dass er genügend Kenntnisse hat um seine Muttersprache zu vermitteln, sollte er doch besser nicht mitmachen und es wieder nur denen da oben überlassen, die sich ständig darüber beschweren, dass man zu wenig Personal hat und die Kosten unerträglich werden. Über eine Million Infektionen in den mehr als zweitausend Krankenhäusern in der Republik. Vierzigtausend Tote durch Keime, die nicht ausreichend bekämpft werden. Nachgewiesen, dass die Zahl der Pfleger mehr als das Doppelte sein müsste, um das Sterben zu vermeiden. Aber der Staat fördert das Modell des Wirtschaftsbetriebes, macht nur strenge gesetzliche Auflagen, von denen jeder weiß, dass sie nicht erfüllt werden können. „Leitkultur“ von ganz oben? Was für ein Kodex, der den wirtschaftlichen Erfolg über das Leben des Einzelnen stellt! Will nicht sagen, dass man bewusst so handelt, aber doch offensichtlich die Folgen nicht wahrnehmen will.

Transparenz des Handelns und ehrliche Argumentation wären Zeichen einer neuen Kultur, die ich erwarte.

Ich habe kein Bedürfnis nach außen mitzuteilen, was typisch deutsch ist, ich bin es einfach. Und wenn meine Tugenden gerade noch dem verbliebenem positiven Bild von uns im Ausland immer noch bei meinem Mitwirken hier übereinstimmen, dann genügt mir das. Mir wäre es genug, wenn Politiker gegen die täglichen Verstöße der Zehn Gebote des christlichen Glaubens mehr machen würden. Da brauche ich keine Liste der zehn typischen deutschen Eigenschaften.

Wir können in unserem Land alle deutsch werden, wenn wir es wollen. Das ist die Übereinstimmung für den Zusammenhalt, wenn ich nicht hinschaue, welche Hautfarbe mein Mitbürger hat oder von woher er zu uns gekommen ist.

berndg42; 2. Mai 2017

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Über berndg42

Jahrgang 1942, "die Wahrheit hat keine Lobby!" Hier noch eine Selbstdarstellung: Lieber Tristan, herzlichen Dank für die Nominierung! Mit so viel Aufmerksamkeit hatte ich beim Eröffnen meines Blogs nie gerechnet. Als ehemaliger Sachbearbeiter im Staatsdienst befasste ich mich jahrelang mit Verwaltungsdeutsch, mutierte dann aber als Pensionär zum Hobbyschreiber. Alles begann mit dem Beitritt zu einem Schreibverein. Doch der Zwang zum monatlichen Abliefern von Texten war mir bald zu anstrengend, wechselte deshalb zur „Lyrikecke.de“. Da poste ich heute noch die hier gespiegelten Beiträge, doch nicht alle. Und bei WordPress hat man die Möglichkeit, auch nachträglich beliebig oft Korrekturen zu machen. Ich bin also ganz Herr meines Blogs und bestimme selbst, was ich verantworten kann. Kommentare sind mir lieb, Bewertungen von Beiträgen anderer Blogger aber fallen mir nicht leicht. Denn um gerecht zu sein, muss man sich tief einarbeiten. Und dazu fehlt mir die Zeit, weil ich noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt bin. Große Freude habe ich mit Grundschülern der Jahrgansstufe vier. Sie lernen bei mir, wie Technik unseren Alltag bestimmt und welche Bedeutung das naturwissenschaftliche Wissen und seine Anwendungen für unsere Zukunft haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website: http:quietscheradio.de kann man sich über meine Aktivitäten informieren. Die Lehrkräfte in Grundschulen sollten mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Gesellschaft erfahren! Die politischen Institutionen kümmern sich nicht genug um die Anforderungen unserer Zeit. Sie reagieren eher träge auf notwendige Anpassungen und konzentrieren sich vorwiegend auf die Erfüllung aktueller Wünsche der Bürger in konservativer Weise, leider ohne kreative Weitsicht in ihren Entscheidungen. G8 oder Bologna-Reformen bieten Stoff für Schlagzeilen, aber helfen nicht wirklich Schülern und Studierenden. Sie sind Themen für die spekulative Sammlung von Wählerstimmen, oft nicht mehr als Stimmungsmache. Die Wirtschaft schielt nach Nachwuchs aus dem Ausland. Manchmal frage ich mich, ob wir denn wirklich alle so blöd sind, weil wir uns solche Unfähigkeiten der Verantwortlichen gefallen lassen. Gegen den unerträglichen Egoismus, den man heute überall erkennen kann, hilft nur, selbst die Dinge in die Hand zu nehmen. Dazu habe ich mich im Alter entschlossen. Und es tut gut, Sinnvolles zu tun. Vielleicht finden sich ja Mitmacher. Deshalb hier mein Weckruf für mehr soziales Verhalten und freiwillige, unentgeltliche Leistungen. Herzlichen Gruß und viel Erfolg mit Deinem Blog; Bernd
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